Ausgabe 12/99
Speakers
Corner
Viren-Zeit
Das
neue Jahrtausend naht, die letzte Ausgabe vor dem bedeutungsvollen
Datumswechsel halten Sie in Händen. Viel wurde über die Auswirkung
der neuen Jahreszahl im Bezug auf Computer geschrieben und berichtet. Was wurde
und wird da nicht prognostiziert - vom einfachen Ausfall des heimischen
Rechners, über Flugzeugabstürze, bis hin zum Super-GAU eines
Atomkraftwerkes. Lassen Sie uns zusammen hoffen, dass mindestens alle
relevanten Rechnersysteme von Fachkräften dahingehend geprüft und
abgedated wurden, dass kein großer Schaden entsteht. Das neue
Jahr-(tausend) wird es uns zeigen.
Allerdings
ist aufgrund des neuen Millenniums und dem damit zusammenhängenden
Y2K-Problems (korrekte Datumsverarbeitung) bei Computern, eins in den
Hintergrund getreten - Computerviren! Dabei sind Computerviren weit
gefährlicher als “nur” ein falsches Datum. Diese (meist)
kleinen Programme sind nicht nur im Stande, einen einzelnen Rechner
abstürzen zu lassen, oder eine Diplomarbeit, mit der man sich Wochen oder
Monate rumgequält hat, zu vernichten. Speziell in Amerika werden
große Unternehmen mit Computerviren erpresst, z.B. steht eines Morgens
auf allen Firmenrechnern “transferieren Sie in den nächsten 2
Stunden einen Betrag von 10 Millionen US Dollar auf folgendes Konto, oder
dieser Virus vernichtet Ihre Daten”. Bei einigen Firmen sind z.B. 10
Millionen Dollar eher zu verschmerzen, als der Verlust der Daten, und so zahlt
man.
Ein
anderes Beispiel, das die Gefahr eines Virus verdeutlicht, liegt in den
Anfängen der 90er Jahre, der Golfkrieg (Dessert Storm). Bei den
amerkanischen Fernlenkwaffen funktionierte eine zeitlang nichts so, wie es sein
sollte, der Grund war ein Virus, der wurde per Funk in das Rechnersystem
eingespeist und der Rechner war nicht mehr im Stande, die vorgegebenen Aufgaben
auszuführen.
Nachdem
dies veröffentlicht wurde, haben Fachleute vorhergesagt, dass die
nächsten Kriege bei uns auf der Erde nicht die konventionellen Waffen
sondern die Waffe Computer entscheidet. Wer der anderen Macht zuerst die
Rechner (mit einem Virus) blockiert, hat gewonnen. Denn ohne Rechner kann man
in der heutigen Zeit keinen Krieg führen.
Das
klingt natürlich recht einfach, denn es ist fast unmöglich, einer
Streitmacht mit einem (oder mehreren) Virus alle Rechner zu blockieren. Die
Schutzmaßnahmen und Hürden, die man durchbrechen muß, sind
enorm.
Auch
die Sicherheitsexperten der Firma “The Bristol Group GmbH” in
Langen prognostizieren ein “Feuerwerk” an bedrohlichen Inhalten,
wie z.B. Viren, Vandalen, Trojanischen Pferden, Fatalen Makros, Hoaxes und
sonstige Angriffe aus dem Internet in der Silvesternacht zum Jahr 2000.
“Am 1. Januar um 0 Uhr öffnet sich die digitale Büchse der
Pandora und lässt alles heraus, was Hacker in den letzten Jahren an
Gemeinheiten erfunden haben”, befürchtet
Bristol-Geschäftsführerin Susanne Daum. Sie erwartet, dass die
meisten Unternehmen damit überfordert sind, generelle Computerprobleme im
Zusammenhang mit dem Jahrtausendwechsel und die akute Viren-Gefahr aus dem Netz
überhaupt auseinander zu halten. Ihr Rat: Die Firmen sollten über
Silvester alle Verbindungen zum Internet kappen, um das Schlimmste zu
verhindern, soweit betrieblich machbar.
In
einem kürzlich veröffentlichten Interview wurde der Chefforscher im
Symantec Anti-Virus Research Centre mit den Worten zitiert, dass es
wahrscheinlich etwa 200.000 (!) neue Viren gebe, die speziell für die
Jahrtausendwende geschrieben worden seien.
In
wieweit diese Prognosen zutreffend sind, wird uns der Jahreswechsel zeigen.
Aber ungeachtet dessen sind Viren eine ständige Bedrohung.
Es
sei hier noch einmal erwähnt, dass der Computer sich nicht selbst eine
Krankheit (Virus) einholt, sondern dass der/die Anwender/in selbst das
Verschulden tragen.
Ein
Virus kann nicht nur mittels Disketten übertragen werden, sondern auch via
Internet oder CD-ROM. Bei aller Vorsicht, die man walten läßt, kann
keiner sicher sein, wann ein Virus zuschlägt. Heimlich und unbemerkt wird
der Computer infiziert und Sie merken von allem noch nichts. Eines Tages, bei
einer bestimmten Arbeit am Computer, bricht das Virus aus. Die Auswirkung kann
harmlos, störend oder zerstörerisch sein, doch das müsste nicht
sein, wenn man sich vorsieht.
Was
sind Computerviren eigentlich?
Die
Bezeichnung Virus kennt jeder aus dem Bereich der Medizin. Viren sind in der
Lage, sich selbst zu reproduzieren. Dies trifft auch auf Computerviren zu, was
die Namesgebung erklärt. Nur sind die Computerviren natürlich keine
kleinen Organismen, sondern von meist unbekannten Autoren bewußt
geschriebene Programme. Also bestehen sie aus einer Folge von
Maschinensprachebefehlen, die vom Prozessor ausgeführt werden können.
Sie können prinzipiell in jeder Programmiersprache verfaßt sein.
Virenprogramme
sind keine Dateien. Sie infizieren Dateien, schreiben also sich selbst in
bestehende Dateien hinein. Das müssen aber natürlich Programmdateien
sein, also Dateien, die ihrerseits Maschinensprachebefehle enthalten. Dazu
zählen z.B. .EXE, .COM, .DLL, .OVL Dateien.
Die
Infektion kann auf zweierlei Weise geschehen: entweder indem der Virus (die
Bytefolge, die die Befehle zur Reproduktion enthalten) sich an eine bestehende
Datei anhängt oder indem er einen Teil dieser Datei überschreibt.
Wenn
nun das infizierte Programm (Träger- oder Wirtsprogramm) aufgerufen wird,
so wird auch der Virus abgearbeitet. Er kann nach einer anderen Programmdatei
suchen und sie infizieren. Damit verbreitet es sich innerhalb eines Systems wie
ein biologischer Virus sich im Körper verbreitet.
Damit
ein Virus nicht eine bereits infizierte Datei mehrmals befällt, muß
er zwischen einer infizierten und einer nicht infizierten Datei unterscheiden
können. Aus diesem Grund hat jeder Virus eine Möglichkeit, sich
selbst in einer Datei zu erkennen, die sogenannte Virus-ID. Meist eine einfache
Bytefolge, die im Virus enthalten ist, aber nicht zufällig in anderen
Programmen enthalten sein wird.
Meist
geben sich Viren nicht mit der bloßen Vervielfältigung zufrieden,
sondern haben auch noch andere Aufgaben. Diese Aufgaben sind meist destruktiver
Natur, sie zerstören üblicherweise Datenbestände oder lassen
vernünftiges Arbeiten nicht mehr zu. Die Palette der Möglichkeiten
dieser “Aufgaben” ist groß, vom harmlosen Abspielen einer
Melodie über den Lautsprecher bis zum Neuformatieren oder gar
Partitionieren der Festplatte.
Meist
sind diese “Aufgaben” an Bedingungen geknüpft, die festlegen,
wann der Virus seine Aktion durchführen soll. So gibt es z.B. den
Michelangelo-Virus, der nur an einem bestimmten Tag seine Aktionen
durchführt. Den Rest vom Jahr ist er nur mit Reproduktion
beschäftigt. Den Bedingungen ist nur die Phantasie der Virenprogrammierer
als Grenze mitgegeben, es ist spielend einfach möglich, auch andere
Abfragen als das Datum zu benutzen.
Einen
schematisierten Ablauf könnten wir uns also in Pseudocode so vorstellen:
-Wiederhole
-Suche
Programmdatei
-Prüfe
bestehende Infektion
-Bis
keine Infektion festgestellt
-Infiziere
Programmdatei
-Überprüfe
Aktionsbedingung
-Wenn
Aktionsbedingung erfüllt
-Führe
Aktion aus
-Ende
Aber,
bevor wir auf die einzelnen Viren (-Familien) eingehen, hier erstmal eine
Kurzfassung der Geschichte und Entwicklung der Computerviren.
Anfang
der
70er
Jahre erfanden Mitarbeiter der Bell Laboratories ein Spiel mit dem Namen
“Core Wars”, was übersetzt soviel wie “Krieg der
Kerne” bedeutet. Dieses Spiel kam dem Prinzip eines Virus oder Wurms
schon sehr nahe. Ziel des Spiels war es nämlich, den Gegnern kostbare
Rechenzeit zu stehlen.
Somit
kann man “Core Wars” wohl als ersten Virus (Wurm) in der Geschichte
der Rechentechnik bezeichnen. Er war jedoch im Gegensatz zu einem heutigen
Virus auf die Hilfe des Programmierers angewiesen, der ihn verbreiten
mußte.
Der
eigentliche Begriff des “Computervirus” wurde
1981
von Professor Adleman eingeführt. Er rief den Begriff ins Leben, als er
sich mit dem Doktoranden Fred Cohen unterhielt.
In
dem Jahr
1982
wurden im Xerox Alto Research Center die ersten Würmer programmiert,
welche für verteilte Berechnungen genutzt werden sollten. Allerdings
schlich sich ein Programmierfehler ein, welcher bewirkte, dass sich der Wurm
unkontrolliert vermehren konnte. Das System brach kurz darauf unter der enormen
Last zusammen.
Ein
Jahr später (
1983)
war es Fred Cohen, der schließlich den ersten funktionsfähigen Virus
vorstellte. Er war unter dem Betriebssystem Unix programmiert und nistete sich
im Befehl VD ein. Dieser Virus erbte bei jeder Ausführung die
Systemprivilegien eines jeden infizierten Programms und konnte so innerhalb
eines kurzen Zeitraumes jedem Benutzer die geerbten Privilegien übergeben.
1984
lieferte Fred Cohen schließlich seine Doktorarbeit ab. Die
Veröffentlichung derer war aber lange Zeit umstritten, denn sie enthielt
neben dem gerade beschriebenen Virus auch noch einige andere experimentelle
Viren.
Von
da an ging eine rasante Entwicklung in diesem Bereich los, es kamen
ständig neue Viren und Trojanische Pferde in Umlauf.
So
wurde schon
1985
über Mailboxen ein Programm verteilt, welches zur Verbesserung der damals
noch sehr mangelhaften Grafik dienen sollte. Nach dem Start dieses getarnten
Trojanischen Pferdes wurden allerdings alle Dateien auf der Festplatte
gelöscht und am Bildschirm erschien die Meldung “Arf, arf,
Gotcha”, was übersetzt “Arf, Arf, hab' dich!” bedeutet.
In
diesem Jahr wurde in der Zeitschrift “Apples” ein Virus im
Quellcode für den Apple II veröffentlicht.
1986
kam auch der erste MS-DOS-Virus in Umlauf. Der Virus, der Pakistani-, Ashar-
oder auch Brain-Virus genannt wird, war von zwei Software-Händlern in
Pakistan entwickelt worden. Dieser Handel verkaufte billige Raubkopien von
Originalsoftware. Dies war möglich, da dort das Kopieren von Software
nicht strafbar war. Jeder Softwarekopie legten sie den Virus bei, der den Zweck
haben sollte, die Kunden an den Händler zu binden.
Überraschenderweise
verbreitete sich dieser Virus aber sogar bis in die USA. Kurz darauf wurden
auch Viren wie Vienna, Cascade, Stoned und Pingpong gefunden.
Außerdem
zog die Zeitschrift “Computer Persönlich” der
“Apples” nach, und veröffenlichte ebenfalls einen
Computervirus im Quelltext für den Apple II.
Schließlich
wurde
1987
auch der erste Virus für Macintosh-Rechner entdeckt. Apple lieferte
daraufhin all seine Systeme gleich komplett mit einem Virensuchprogramm aus.
Allerdings konnte es nur diese eine Virenfamilie finden und war für andere
Virustypen sozusagen blind. Somit war das Programm also nur bedingt brauchbar.
In
gleichen Jahr verbreitete sich der erste Wurm in einem IBM-System. Dieser
“Weihnachtsbaum” oder “Tannenbaum”-Wurm fand eine
explosionsartige Verbreitung.
Im
November 87 wurde schließlich auch der LeHigh-Virus gefunden, der eine
neue Technik beim Infizieren von Programmen verwendete (Slackbereich-Infektor).
Kurz
darauf wird in Deutschland auch zum ersten mal der Cascade-Virus gefunden. Er
war der erste Virus, der speicherresident wurde und in Dateien auch
verschlüsselt auftrat. Aufgrund dieser Eigenschaften wird er auch zur 2.
Generation der Viren gerechnet.
Zu
einer der ersten Viren gehört auch der Jerusalem- oder PLO-Virus. Er wurde
auch unter dem Namen Freitag-der-13.-Virus bekannt, da er an einem solchen Tag
alle COM- und EXE-Dateien löscht. An allen anderen Tagen verringerte er
nach etwa 30 Minuten die Rechnergeschwindigkeit. Heute gibt es etwa 500
Varianten dieses Viruses.
Für
andere Systeme treten auch die ersten Viren auf, so für den MAC (nVir,
Peace), Amiga (SCA-Virus), Atari (PT, Aladdin) und für UNIX (IBM MVS 370).
In
der Computerzeitschrift c't wird in diesem Jahr auch ein Artikel über
einen Virus für den Atari ST veröffentlicht - inklusive Quelltext.
Schließlich entwickelt sich daraus ein ganzer Virenstamm mit vielen
Varianten des Virus. Somit werden auch die ersten Kritiken an der
Veröffentlichung von Viren-Quelltexten laut.
In
dem Jahr
1988
wird der erste Virusbaukasten (Virus Construkction Kit) für den Atari ST
veröffentlicht. Mit Hilfe dieses Werkzeuges konnten auch Anfänger
einfach Viren mit dem vom Benutzer bestimmten Eigenschaften
“zusammenbauen”.
Im
gleichen Jahr erlangt auch der Internet-Wurm weltweite Verbreitung und Robert
Morris entwickelt einen Virus, der Tausende vernetzte UNIX-Rechner, u.a. von
NASA und Pentagon, lahmlegte. Robert Morris wurde zu fünf Jahren Haft und
einer Geldstrafe von 250.000 $ verurteilt.
1989
wurde der erste polymorphe (vielgestaltige) Virus gefunden: der V2Px, 1260 oder
auch Washburn genannte wird. Solche Viren verschlüsseln sich selbst auf
andere Weise immer wieder neu, was das Entwickeln von Anti-Virus-Software
erschweren soll.
Außerdem
werden die ersten Viren gefunden, die Dateien infizieren und dabei die
gemachten Änderungen verbergen. Diese Viren werden auch Stealth-Viren
(Tarnkappen-Viren) genannt.
Es
erscheinen die ersten gedruckten Dienste, die über Viren informieren
(Virus Bulletin, Virus Telex) und es gibt die ersten internationalen Versuche,
Viren zu klassifizieren. Es erschienen auch mehrere Bücher über
Viren, und in Zeitschriften erscheinen erste Artikel über dieses Thema.
In
diesem Jahr kam auch die erste Version von McAfees Virensuchprogramm auf den
Markt, welches bereits 44 Viren erkannte. Auch IBM hatte bereits einen
Virenscanner entwickelt, der aber erst 22 Viren finden konnte.
In
England liegen zahlreiche PCs und Netze der Banken still, weil sich ein VIRUS
durch verseuchte Kopien des Spiels “LAZY LARRY 1” ausgebreitet hatte.
Es
tauchen weitere Würmer wie WANK und OILZ auf.
1989
wird auch die Verbreitung eines Trojanischen Pferdes bekannt: So verbreitete
die Firma PC Cyborg Corp. mit Sitz in Panama an Teilnehmer einer
internationalen AIDS-Konferenz Disketten mit angeblich sehr wichtigen
Informationsmaterial. Dabei soll es sich um eine Datenbank handeln, die zuerst
auf die Festplatte installiert werden muß. Der Hersteller weist im
beiliegenden Lizenzvertrag darauf hin, dass für eine längere Nutzung
des Programms eine Gebühr von 378,- amerikanischen Dollar zu entrichten
sei, sonst würden einige wichtige Daten auf der Festplatte
verschlüsselt werden. Bei einer Installation benennt das Programm
Systemdateien um und setzt schließlich das eigentliche Trojanische Pferd
in den Computer. Dieses enthält auch einen Zähler und beim 90.
Systemstart nach der Installation des Programms werden schließlich
alle
Daten auf der Festplatte verschlüsselt. Die Firmeninhaber werden
übrigens kurz darauf verurteilt und in eine geschlossene psychiatrische
Anstalt eingewiesen...
1990
wurde ein Virus entdeckt, der sich nicht nur selbst modifizieren und oligomorph
verschlüsseln kann, sondern dazu auch noch Tarnkappeneigenschaften
aufweist. Er heißt “Whale” oder auch “Motherfish”
und ist bis heute mit etwa 9 KB Umfang einer der größten
speicherresidenten Viren überhaupt. Er ist mehrfach in befallenden Dateien
und sogar im Speicher verschlüsselt. Man sagt, dass er von Virenforschern
als Testvirus programmiert worden sei. Zumindest ist er bis heute so gut wie
nie in freier Wildbahn aufgetreten, was wohl auch darin begründet liegt,
dass er sehr viele Fehler aufweist.
Unter
dem Betriebssystem DOS wurde auch der DIR-II-Virus freigesetzt. Er verwendet
eine ganz neue Art, Programme zu infizieren. Dieser Virusstyp infiziert
nämlich nicht die Programm an sich, sondern ihre FAT-Einträge (File
Allocation Table).
Der
Apple Macintosh wurde 1990 auch nicht verschont. Ein Trojanisches Pferd tauchte
aus den Tiefen der Bits und Bytes auf, welches beim LaserWriter das
Paßwort verändert.
Außerdem
wurde das erste Virus Construkction Kit für DOS-Systeme herausgegeben und
von dem “Verband deutscher Virenliebhaber” verbreitet.
1991
wächst die Anzahl der neu gefundenen Viren langsam aber stetig
unverhältnismäßig stark an.
Es
finden auch Wettbewerbe und Veranstaltungen zum Programmieren von Viren statt.
Das amerikanische Verteidigungsministerium bietet 50.000 $ für
militärisch nutzbare Viren an.
Außerdem
wurde ein Virus entwickelt, der nur dafür programmiert wurde, unter
Novell-Netware Paßwörter auszuspionieren.
Außerdem
entsteht mit den Organisationen EICAR (European Institute for Anti-Virus
Research) und CARO (Computer Anti-Virus Research Organisation) eine bessere
Zusammenarbeit bei der Bekämpfung von Viren.
Es
wurden auch in diesem Jahr viele Zeitschriften speziell für
Virenprogrammierer gegründet.
1992
entstehen mehr Viren, als in allen vorherigen Jahren zusammen.
Mittlerweile
sind die Tarnkappenviren (Stealth-Viren) in der vierten Generation im Einsatz
und verrichten heimtückisches Werk. Angst vor dem Michelangelo-Virus
weltweit.
Es
wird auch von einem Virenprogrammierer mit dem Synonym “Dark
Avenger” eine erste Mutation Engine veröffentlicht. Dieses komplexe
Werk kann als Grundbaustein eines polymorphen Virus dienen. Dabei bleibt, wie
man so schön sagt, “kein Byte dem anderen gleich”. Die
Verschlüsselungsroutine ändert sich dabei genau so wie die
Instruktionen, um den Virus zu entschlüsseln, die Länge ist ebenfalls
sehr variabel. Seitdem wurden über 60 solcher Engines bekannt.
Über
den Datenkanal “Channel Videodat”, welcher vom Sender Pro 7
übertragen wurde, wird ein neuer polymorpher Virus übertragen. Er
fand sich in einem Entpackprogramm, was zu einem Virenscanner von McAfee, der
den “Tremor” noch nicht kannte, beilag. Dabei sieht jede Mutation
von ihm komplett anders aus. Virenforscher brauchten sogar einige Monate, bis
dieser Virus in ihren Suchprogrammen auch in allen Varianten erkannt wurde.
1993
tauchen fast jeden Tag schon etwa 2 bis 3 neue Computerviren auf, so dass die
Zahl der Viren weiterhin extrem ansteigt. Monatlich tauchen neue Mutation
Engines auf, die teilweise aber kaum Verbreitung finden. Viren Construction
Kits tauchen etwa mit der selben Häufigkeit neu auf.
Man
findet aber nichts wesentlich Neues, sondern viel mehr Althergebrachtes,
Bekanntes. So tauchen von einigen Viren schon hunderte Varianten auf. Komplett
neue Viren werden dagegen seltener.
Es
erscheinen die ersten Viren, die nicht nur DOS-Programmdateien infizieren
können, sondern auch Windows-Programmdateien.
1994
wird ein neuer Virus gefunden, der wesentliche Unterschiede zu seinen
Vorgängern hat: So verteilt sich die variable Entschlüsselungsroutine
über das gesamte infizierte Programm. Dieser Virus, der
“One_Half” oder auch “Free_Love” bezeichnet wird, kann
sich sowohl in Dateien, als auch ein Bootsektoren und Master-Boot-Records
einnisten. Solche Viren werden auch multipartite Viren genannt. Zusätzlich
verschlüsselt der Virus zwei Sektoren der Festplatte mit einem variablen
Schlüssel. Dieser speicherresidente Virus verfügt auch über
Stealth-Techniken, die das Erkennen zusätzlich erschweren.
Kurz
darauf erscheint auch der Uruguay-Virus, der ähnliche Techniken verwendet.
Es
wird auch ein neues Virus gefunden, der den Bootsektor und eine Systemdatei
infiziert. Dieser Kernel-Virus heißt “3APA3A”.
Außerdem
wurde der erste Virus in einer Virenprogrammiererzeitschrift
veröffentlicht, der OS/2-Dateien befallen kann (“OS2_First”).
Er zerstört Teile seines Wirtes.
Im
September
1995
erscheint der “Boza”, welcher nur Windows-95-Programmdateien
infizieren kann und am 31. jedes Monats eine Meldung über die Verfasser
ausgibt. Er wurde u.a. auch in einer Virenprogrammiererzeitschrift
veröffentlicht. Es wurde über ihn viel in Zeitungen und Zeitschriften
geschrieben - allerdings ist er bis heute noch bei keinem Anwender aufgetaucht
und wird wohl ein Laborvirus bleiben.
Es
tauchten die ersten Macroviren (z.B. Concept, DMV) auf, die keine
ausführbaren Programmdateien mehr infizierten, sondern Dokumente des
Textverarbeitungsprogramms “WinWord” von Microsoft.
Da
dieses Programm - WinWord -z.B. auch auf dem Macintosh eingesetzt wird und die
Virenmacros dort auch laufen, war der erste plattformübergreifende Virus
geboren. Außerdem braucht man für die Programmierung eines solchen
Macros weniger Ahnung zu haben. Ein Virus wurde bis dahin hauptsächlich in
Assembler programmiert, was gewisse Systemkenntnisse voraussetzte. Solche
Macros können allerdings fast von jedem Anwender programmiert werden, der
mit einer solchen Textverarbeitung arbeitet. Angeblich soll der erste Virus
dieser neuen Art übrigens von einem Microsoft-Programmierer stammen und
wurde als “Beilage” einer Werbe-CD von Microsoft weitergegeben.
1996
wurde der erste polymorphe Windows-Virus entdeckt. Er nutzte gewisse Techniken
aus, um wirklich sein Aussehen zu verändern. Unter Windows ist das
nämlich ein gewisses Problem.
Im
3. Quartal des Jahres 1996 wurde die Anzahl der Viren bei PCs auf mittlerweile
über 10.000 verschiedene Varianten geschätzt.
Beim
Macintosh kam das Auftreten von neuen Viren auch praktisch zum Stillstand, u.a.
weil einige Virenprogrammierer erfolgreich verurteilt wurden, was
natürlich zu einer Abschreckung führte.
1997-
Der erster Linux-”Virus” wurde von McAfee entdeckt - zeitgleich mit
der Vorstellung des eigenen Virenscanners für Linux...
In
diesem Jahr erschienen eine enorme Anzahl von Macroviren, deutlich mehr als
Dateiviren
1998
haben Computerviren-Forscher am Symantec AntiVirus Research Center in Santa
Monica, Kalifornien, im Internet den ersten Java-Virus namens Strange Brew (zu
deutsch: Seltsamens Gebräu) entdeckt. Dieser Virus markiert einen
Meilenstein in der Entwicklung der Computerviren, da er der erste seiner
Gattung ist, der sich vollkommen plattformunabhängig ausbreiten kann.
Ende
98 wurde auch der CIH-Virus entdeckt. Dieser Virus ist der erste
Computer-Virus, der das BIOS überschreibt und damit die Hardware eines
Computers unbenutzbar macht. Also einer von der ganz üblen Sorte.
Im
März
1999
wurde der W97M/Melissa Virus in den USA entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt hatte er
bereits verschiedene Mailserver großer Computer Firmen lahmgelegt, sodass
diese teilweise abgeschaltet werden mußten. Betroffen waren unter
anderem: Microsoft, Intel, Compaq und Boeing. Bereits am ersten Tag waren mehr
als 70.000 PC's befallen. Dieser Virus befällt Word-97/2000-Dokumente und
nutzt MS-Outlook, um sich per E-Mail-Anhang an weitere Anwender zu
verschicken. Dabei werden die E-Mail Adressen aus dem Adressbuch von Outlook
benutzt.
Heutzutage
haben wir mittlerweile um die 20.000 Computerviren. Die Meldungen von
Viren-Neuentdeckungen sind mittlerweile schier unüberschaubar und
reißen nicht ab.
Wie
schon mit der Einführung von Windows 3.1 und Windows 95 halten mit der
Vermarktung von MS Office 2000 neue Computerviren Einzug. Der erste neuartige
Makrovirus wurde bereits im März diesen Jahres bekannt: W97M.Pri.
Es
sind auch immer wieder neue Viren Construction Sets erhältlich, mit dem
selbst Anfänger ohne Erfahrungen ihre eigenen Viren zusammensetzen
können. Sie benötigen dazu auch keine Programmierkenntnisse mehr.
Sogar bei Macroviren ist dies seit einiger Zeit möglich.
Einige
Virenscanner-Hersteller versuchen an einen Super-Virenscanner zu basteln,
dieser soll dann dank künstlicher Intelligenz (KI) zukünftig alle
Arten von Computerviren aufstöbern, eigenständig isolieren und
Systeme desinfizieren können. Allerdings reicht die Rechen- und
Speicherleistung von unseren normalen “Zuhause-Rechnern” nicht so
ganz dafür aus.
Im
Moment jedoch sind die meisten Computerviren nur relativ lästige
Begleiterscheinungen im Alltag, die noch einigermaßen zu beherrschen
sind. Allerdings sieht die Zukunft dagegen ganz anders aus. Denn der Viren-GAU
wird sich - laut Expertenmeinungen, in den ersten Tagen des neuen Jahrtausends
zeigen. Dann sollen wir ja förmlich von neuen und noch unbekannte Viren
überflutet werden. Ob das nur Bangemachen ist- wir werden es ja sehen.
In
der nächsten Ausgabe werden wir uns dann mit einigen Viren und
Virenfamilien beschäftigen - falls unsere Redaktionsrechner bis dahin
nicht durch irgendwelche Viren verseucht sind.
In
diesem Sinn
Ihr
Jumpe
r