Ausgabe 07/99
Speakers
Corner
Y2K
- das Jahr-2000-Problem Der Millenniumwechsel in der EDV
Die
Zeit läuft, es sind nur noch weit weniger als 200 Tage bis zum Lillennium
Ist
das “Y2K-Problem” wirklich eine Bombe, bei der die Lunte schon
brennt?
Ältere
Rechner müssen nicht gleich entsorgt werden, häufig hilft ein
Bios-Backup.
Wenn
Sie von dem “
Y2K-Problem”
hören, dann handelt es sich dabei nicht um die Bezeichnung eines neuen
Motorrades oder Autos, das mit irgendwelchen Produktionsmängeln behaftet
ist und somit ein “Problem” darstellt. Nein, die Abkürzung
“Y2K”
bezeichnet
etwas ganz anderes. Es handelt sich um das zur Zeit heiß diskutierte
Thema “Jahr-2000-Problem”.
Y2K-Problem
Y2K
=
Year
2
Kilo
Year
(
englisch)
=
Jahr,
2
(
arabisch)
=
2
und
Kilo
(griechisch)
=
tausend;
übersetzt
heißt das ganze denn
Jahr 2 tausend
.
Ja, da haben wieder irgendwelche “innovativen Intelligenzbolzen”
zugeschlagen und eine “ergonomische” und hochmoderne Akürzung
aus
drei
verschiedenen Sprachen
erfunden, die ebenso verzwickt ist, wie scheinbar das Problem selbst.
Viele
haben schon von dem Jahr-2000-Problem gehört, einige wissen worum es geht,
andere nicht. Einige haben ihren Rechner schon mal versuchsweise auf den
31.12.99, 23.59 Uhr, gestellt und schlichtweg einfach eine Minute gewartet. Als
der Rechner dann das vermeindlich richtige Datum, nämlich den 01.01.2000,
auf den Bildschirm schrieb, war man zufrieden und hat sich nicht mehr weiter
mit dem Problem beschäftigt - es funktionierte ja, der Computer ist also
Y2K-fähig..., oder?
In
den Medien wurden schon viele, viele “Y2K-Informationen”
verbreitet, dann wieder zurückgenommen und eine Gegendarstellung
veröffentlicht, was natürlich eine zusätzliche Verunsicherung
bei den Anwendern auslöste. Eines der letzten Beispiele ist die
SAT1-Sendung (30. März 1999) - über die wir auch kurz in der
vorletzten Ausgabe (5/99) berichtet haben. Zu dieser Sendung erhielten wir von
dem
Jahr2000.de
Informations-Zentrum
aus Oldenburg eine Kurz-Analyse der SAT1-Sendung, die unschwer erkennen
läßt, daß nicht alles stimmt, was eine Fernsehsendung so zeigt:
Am
30.03.1999 sendete der Fernsehsender SAT1 das Magazin “Akte 99”.
Der Moderator berichtete darin über das Jahr-2000-Problem. Die absolut
schlecht recherchierte Fernsehsendung behauptete, auch aktuelle PCs wie der von
Medion hergestellte Aldi-PC wären nur bedingt 2000fähig. Der
“Computerexperte” Peter Huth demonstrierte scheinbar anhand des
Testprogramms “CheckComm 2000”, daß zweistellige Jahreszahlen
in der Echtzeituhr Probleme verursachen könnten. Was dem (bereits durch
manche Showeffekte wie explodierende Bildschirme der Firma Belinea
verunsicherten) Zuschauer dabei jedoch weder gezeigt noch gesagt wurde:
Das
Testprogramm “CheckCom 2000” lieferte als Gesamtergebnis aller in
der Sendung geprüften Rechner die Meldung “Es konnte kein
unmittelbares Jahr-2000-Problem festgestellt werden”.
Der Fehler lag also eindeutig nicht bei dem Testprogramm, sondern bei der
willkürlichen
und
falschen
Inter
pretation
der Redaktion
von “Akte 99”. Das Problem wurde noch verstärkt durch die
Demonstration einer Steuersoftware von Türöffnern, die angeblich nach
dem 2000-Wechsel durch den RTC-Fehler nicht mehr funktionieren sollen.
Zugegeben:
Es könnten vielleicht Probleme aufgrund einer alten BIOS-Version
auftreten. Aber mit Sicherheit nicht bei neuen Rechnern und mit Sicherheit auch
nicht verursacht nur durch eine zweistellige RTC (=Real Time Clock).
Eins
ist gewiß: Es gibt Jahr-2000-Probleme. Jedoch werden diese weder
Bildschirme explodieren lassen, noch werden sie aufgrund einer zweistelligen
RTC verursacht. Es ist wichtig, über das Problem zu berichten, und es ist
auch wichtig, auf mögliche Probleme hinzuweisen. Es ist aber eine
Zumutung, den ahnungslosen Anwender mit falschen Berichten zu verunsichern. Und
es ist lächerlich, moderne, hardwaremäßig absolut
Jahr-2000-tadellose Systeme zu kritisieren,
soweit die Stellungnahme des Jahr2000.de Informations-Zentrums.
An
diesem Beispiel sieht man, wie schwierig es ist, Sachgerechte Informationen zum
Thema Jahr-2000-Problem zu bekommen. Aus diesem Grund baten wir das Jahr2000.de
Informations-Zentrums mit uns zusammen einen objektiven und qualifizierten
Bericht zu diesem Thema zu verfassen, der hieb- und stichfest ist. Hier nun das
Ergebnis:
Um
sich mit dem Jahr 2000 Problem zu beschäftigen, muß man sich dessen
bewußt sein, daß dies kein Fehler ist, der von einer einzelnen
Komponente eines EDV-Systems verursacht wird. Das Problem ist vielmehr ein
Verbund einzelner mehr oder weniger relevanter Probleme, die sich zu einem
großen Problem entwickeln können. Das nachfolgende 5 Schichten Model
enthält eine grobe Aufteilung der Bereiche, in denen in einer EDV-Anlage
Jahr 2000 Probleme entstehen können. Die Relevanz einzelner Bereiche
hängt stark vom Verwendungszweck der Anlage ab und muß explizit
bewertet werden. Es ist wichtig, sich mit jedem dieser Bereiche
auseinanderzusetzen, da sonst Störquellen übersehen werden
könnten.
1
- RTC / BIOS
Die
RTC
(
Real
Time
Clock)
wurde um 1983 in den ersten IBM-PCs der breiten Masse vorgestellt. Die
batteriegepufferte Echtzeituhr hat die Funktion, das Datum und die Uhrzeit auch
beim abgeschalteten PC weiterzuführen. Die RTC verwaltet Tage, Monate und
Jahre
zweistellig.
Selbständig ist sie nicht in der Lage, das Jahrhundert oder das
Jahrtausend darzustellen. Realisiert wird die korrekte Darstellung des
Jahrhunderts über ein
Jahrhundertbyte
im CMOS-RAM
,
das sich standardmäßig an der Speicheradresse 32h befindet (das
CMOS-RAM dient unter anderem dem Speichern der Konfigurationsdaten eines PCs).
Das Besondere am Jahrhundertbyte ist, daß es nicht von der RTC gesetzt
wird, sondern typischerweise vom
BIOS
(
Basic
Input
Output
System).
Erst aus der Kombination Jahrhundertbyte und RTC kann die Software eine
korrekte vierstellige Jahreszahl erzeugen.
Die
Schwachstelle in der Hardware stellen alte BIOS-Versionen dar und nicht die RTC.
In
letzter Zeit häuft sich das Angebot von dubiosen Test-Programmen, auch
heutige Rechner wären aufgrund der zweistelligen RTC nicht
Jahr-2000-fähig.
Die
RTC hat aber an sich nichts mit der Jahr-2000-Fähigkeit eines PCs zu tun.
Ein
Test der RTC auf die Jahr-2000-Fähigkeit macht also keinen Sinn und kann
keine Aussage über das Verhalten der Hardware im Jahr 2000 machen.
Das
Bios
Das
BIOS
(
Basic
Input
Output
System)
stellt die Verbindung zwischendem Betriebssystem und der PC-Hardware her. Das
BIOS stellt der Datumsbehandlung eine Reihe von Befehlen über den INT 1Ah
(Get Date, Set Date, Get Time, Set Time) zur Verfügung. Die Befehle
“Get Date” und “Set Date” greifen dabei kombiniert auf
die Jahreszahlen und das Jahrhunderbyte zu und erlauben dadurch eine
vierstellige Datumsbehandlung. Die meisten neueren BIOS Versionen prüfen
dabei, ob der vierstellige Datumswert kleiner ist, als 1980. Ist dies der Fall,
wird das Jahrhunderbyte im CMOS automatisch auf 20 gesetzt, um einer
Fehldarstellung des Jahrhunderts vorzubeugen.
Alte
BIOS-Versionen
Viele
alte BIOS-Versionen beherrschen dieses Korrekturverfahren nicht und können
den Wechsel ins Jahr 2000 nicht korrekt durchführen. Das BIOS springt dann
vom 31.12.1999 auf den 01.01.1900 oder den 01.01.1980/84.
In
vielen Fällen reicht es aber aus, das Datum einmal im BIOS von Hand zu
korrigieren. Einmal geändert, wird es dann korrekt gespeichert und
verarbeitet. Vorsicht ist dabei bei Systemen geboten, die über den
Jahreswechsel hinweg laufen. Dies stellt dort eine erhebliche Gefahrenquelle
dar. Hier empfiehlt sich ein BIOS-Update oder der Einsatz von BIOS-Lösungen.
Es
gibt aber auch BIOS-Versionen, denen auch ein manuelles Wechseln des Datums
nicht hilft. Eine davon ist eine vom BIOS-Hersteller AWARD in den Jahren
1994/1995 produzierte BIOS-Serie, die aufgrund eines Programmierfehlers keine
Werte über 1999 zuläßt und diese bei jedem Neustart des
Rechners wieder auf 1980 zurücksetzt. AWARD empfiehlt hier, bei jedem
Neustart den Wert von Hand zu ändern oder ein BIOS-Update
durchzuführen. Es gibt auch diverse Software- und Hardwaretools, die eine
korrekte Datumsdarstellung gewährleisten.
Es
gibt außerdem noch einige ältere PCs, die das Jahrhunderbyte nicht
korrekt abspeichern und somit nicht ändern lassen. Auch hier kommt man
nicht um einen BIOS-Update oder den Einsatz von BIOS-Lösungen herum.
Testverfahren
Um
die korrekte Behandlung von 2000 durch das BIOS zu testen, reicht es ist den
meisten Fällen, folgende zwei Tests durchzuführen:
Test
1:
1. Booten
von einer
DOS-Bootdiskette.
2. Mit
DATE
das Datum auf
den
01.01.2000
setzen.
3. PC
mit der Bootdiskette neu
starten.
4. Datum
mit
DATE
abfragen.
5. Datum
mit
DATE
wieder
zurücksetzen.
Test
2:
1. Booten
von einer
DOS-Bootdiskette.
2. Mit
DATE
das Datum auf den
31.12.1999
setzen.
3. Mit
TIME
die Zeit auf
23:59:00
setzen.
4. PC
ausschalten.
5. Abwarten,
bis der PC über den
Jahreswechsel
(
im
ausgeschalteten Zustand
)
geht.
6. Booten
von einer
DOS-Bootdiskette.
7. Datum
mit
DATE
überprüfen.
8. Datum
und Zeit mit
DATE
und
TIME
wieder zurücksetzen.
Rechner,
die den “Test 1” nicht bestehen:
Stellen Sie fest, ob es ein BIOS-Update für den Rechner gibt, oder
installieren Sie eine BIOS-Lösung.
Rechner,
die den “Test 2” nicht bestehen (jedoch den Test 1 bestanden haben):
Wer
das Risiko eingehen kann, braucht das Datum in dem Rechner lediglich einmal
nach dem Jahreswechsel zu korrigieren. Falls der Rechner in einer empfindlichen
Umgebung arbeitet, wo das Risiko einer falschen Datumsdarstellung (z.B. bei
Vergessen der Korrektur) nicht tragbar ist, sollte man sich nach einem
BIOS-Update oder nach einer BIOS-Lösung erkundigen.
Es
gibt diverse Hersteller von Testprogrammen für das BIOS. Eine der
renommiertesten und am häufigsten empfohlenen Firmen ist NSTL (National
Software Testing Laboratories). Diese Firma hat das Programm YMARK2000 (http://
www.nstl.com/html/nstl_ymark2000.html)zum
Testen der Jahr-2000-Fähigkeit von PCs entwickelt. Es gibt jetzt schon
eine unüberschaubare Menge an Testprogrammen. Eins ist jedoch wichtig:
Lassen Sie sich von keinem Programm nur durch einen RTC-Test - der meistens
negativ ausfällt (siehe RTC) - dazu anstiften, irgendwelche Soft- oder
Hardware des jeweiligen Herstellers zu kaufen.
Im
Klartext:
Ein RTC-Test allein ist nicht in der Lage, irgendwelche Auskünfte
über die Jahr-2000-Fähigkeit Ihrer Hardware zu geben.
BIOS-Lösungen
- Software -
Es
gibt diverse Hersteller von Lösungen für das BIOS Problem. Die Preise
schwanken hier zwischen ein paar und mehreren Hundert Mark. Die erste Frage,
die man sich bei einem fehlerhaften System stellen sollte, ist: Reicht der
Rechner in seiner jetzigen Form aus, oder sollte er nicht doch besser
modernisiert werden? Falls dies nicht erforderlich oder gar nicht möglich
ist, muß eine andere Lösung gefunden werden. Es gibt diverse
Anbieter von Korrektursoft- und -hardware. Korrektursoftware bringt immer ein
größeres Ausfallrisiko mit sich, als die Korrekturhardware. Falls
die Software durch einen unerfahrenen Anwender gelöscht oder
verändert wird, kann sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen. Dieser
Fehler kann auch nach dem Jahreswechsel im Verlauf der nächsten Jahre
auftauchen, falls der betroffene Rechner nicht in der Lage ist, das
Jahrhundertbyte nach einer einmaligen Korrektur permanent korrekt zu verwalten
und zu speichern.
Wer
mit Wechselplatten arbeitet, muß auf
jeder
Festplatte die Lösung installiert haben (und auch darauf achten, daß
sie dort verweilt...).
Die
Hardwarelösung ist hier um ein Vielfaches sicherer. Doch auch diese
könnte irgendwann ausfallen. Sollte der betroffene Rechner also in einer
sehr empfindlichen Umgebung arbeiten, kommen Sie aufgrund des hohen Risikos
nicht um einen Wechsel des gesamten Systems herum.
Aufbau
von Softwarelösungen:
Es
gibt verschiedene Ausführungen von Softwarelösungen. Die zwei
typischen Formen:
1. Ein
Programm, das ausgeführt wird, sobald der Rechner zum ersten Mal beim
Hochfahren auf den
MBR
(
Master
Boot
Record)
zugreift. Dies ist eine seltene, jedoch sicherere Ausführung, da das
Programm nur durch den FDISK Befehl, eine Low-Level Formatierung oder die
uninstall-Option entfernt werden kann. Die Ausführung ist zudem
unabhängig vom verwendeten Betriebssystem.
Diese
erweiterte Ausführung geht natürlich zu lasten der Kosten und sollte
deshalb nur dort verwendet werden, wo eine billigere Hardwarelösung nicht
in Frage kommt (z.B. bei Notebooks).
2. Ein
Programm, das während des Starts z.B. aus der
AUTOEXEC
.BAT
oder der
CONFIG.SYS
geladen
wird (natürlich gibt es für andere Betriebssysteme auch andere,
jedoch vom Prinzip ähnliche Ausführung). Das Risiko ist hier
natürlich erheblich höher, da das Programm leicht gelöscht
werden kann und auch bei einer Neuinstallation des Rechners vergessen werden
kann. Diese Ausführung ist in der Regel kostengünstiger als die
anderen, bringt jedoch das höchste Risiko mit sich und sollte deswegen in
empfindlichen Umgebungen vermieden werden.
BIOS-Lösungen
-
Hardware -
Aufbau
von Hardwarelösungen:
(Bislang
sind uns hier zwei verschiedene Lösungen begegnet)
1. Eine
ISA-Steckkarte, die in einen freien ISA-Slot auf dem Motherboard gesteckt wird
und beim Start des Rechners aktiviert wird. Es gibt dabei zwei typische
Ausführungen:
Die
erste
(einfachere, jedoch meist ausreichende) Ausführung beinhaltet
“nur” einen BIOS-Ersatz für die Zeitfunktionen, die die
meisten Fehlerquellen (Ausnahmen sind
SEHR
selten) beim BIOS-Problem korrigieren.
Die
Zweite
,
erweiterte Ausführung beinhaltet noch einen eigenen RTC und eine Funktion,
mit der sich das gesamte CMOS-RAM auf der Karte sichern und wieder in das
CMOS-RAM überspielen läßt (sinnvoll z.B. für das Sichern
der Konfiguration oder der Übertragung der Konfigurationswerte auf einen
baugleichen Rechner). Die RTC hat keine sehr große Bedeutung. Selten
kommt jedoch bei älteren PCs der Fehler vor, daß die Batterie der
Echtzeituhr ausfällt und der Rechner damit im ausgeschalteten Zustand die
Konfigurationsdaten (u.a. auch die Zeit- und Datumswerte) verliert. Hier
schafft die erweiterte Ausführung der Karte (geht natürlich auch zu
Lasten der Kosten) Abhilfe.
2.
Ein Dongle, das eine RTC beinhaltet, auf einen parallelen oder seriellen Port
gesteckt wird und über eine separate Software angesprochen wird.
Diese
Lösung wurde von einem australischen Hersteller auf der CeBit vorgestellt.
Die Ausführung soll mehrere hundert Mark kosten und der PC-Welt die
Jahr-2000-Sicherheit bringen.
Dies
ist ein typisches Beispiel für einen unseriösen Anbieter.
Die RTC in dem Dongle hat keinen Sinn. Die Korrektur nimmt eher - wir
können nur raten, da uns der Hersteller bislang noch kein Testmuster
liefern konnte - die beiliegende Software vor, die über die AUTOEXEC.BAT
(alle PCs haben diese ja...) in den Speicher geladen wird. Eine Kombination aus
Soft- und Hardware macht keinen Sinn. Entweder man riskiert eine billige
Softwarelösung, oder man holt sich eine teurere Hardwarelösung. Der
Werbespruch: “Sie brauchen den Rechner nicht zu öffnen!” ist
dabei genauso unseriös, wie die absolut überzogenen Kosten.
Unser
Tip dazu: Finger Weg!
Eine
Sache muß aber noch erwähnt werden:
Die
neusten BIOS-Versionen und die besten Soft- und Hardwarelösungen bringen
Ihnen nichts, wenn Sie nicht auch das Betriebssystem und die eingesetzten
Programme getestet haben!
2
- Betriebssysteme
Das
Betriebssystem
stellt die Basis für alle darauf benutzten Anwendungen dar. Die Vielfalt
unterschiedlicher Betriebssysteme macht eine allgemeine Aussage zu deren Jahr
2000 Fähigkeit unmöglich. Im Unterschied zu den meisten Anwendungen
beziehen viele Betriebssysteme das Startdatum direkt aus der RTC und
verarbeiten es im Verlauf einer Sitzung in einer separaten “Virtuellen
Uhr”. Die Tests der meisten Betriebssysteme haben die jeweiligen
Hersteller bereits abgeschlossen und bieten auf ihren Homepages Updates an:
IBM
www.ibm.com/ibm/year2000/
Microsoft
www.microsoft.com/year2000/
und
www.microsoft.com/germany/
jahr2000/prodguide/product.htm
Novell
www.novell.com/year2000/
Apple
www.apple.com/about/year2000/
Citrix
www.citrix.com/misc/y2000.htm
HP
www.hp.com/year2000/
Unix
(allgemein)
www.rdg.opengroup.org/unix/
version2/whatsnew/year2000.html
Silicon
Graphics
www.sgi.com/tech/year2000/
Sun
www.sun.com/y2000/
SCO
www.sco.com/year2000/
Digital
- openVMS
www.openvms.digital.com/
openvms/announcements/
year-2000/index.
html
NCR
www3.ncr.com/year2000/
http/prodinf.htm
Bull
www.eis.bull.com/year2000/
index.
html
Siemens
Nixdorf
www.siemensnixdorf.com/
servers/rfy2k/rfy2k_de/oec.htm
FreeBSD
www.freebsd.org/y2kbug.html
Linux
(Linksammlung)
www.linux.org/help/beginner/
year
2000.html
Anwendungssoftware
stellt
den
Hauptabschnitt
eines Jahr 2000 Tests dar.
Die
meisten EDV-Anlagen verfügen über eine sehr große Ansammlung
von unterschiedlichen Programmen, die, wie unbedeutend sie auch zunächst
erscheinen mögen, alle ein echtes Jahr-2000-Risiko (Problem) in sich
bergen können.
Die
wichtigste Stufe beim Testen ist das katalogisieren aller Programme. Es gibt
viele verschiedene Testprogramme, die das Katalogisieren und Verifizieren der
Softwarebestände (auch über das Netzwerk) automatisieren. Viele von
ihnen haben eine interne Datenbank mit Herstellerinformationen der jeweiligen
Programme zur Jahr-2000-Fähigkeit. Anhand dieser Datenbank informieren Sie
den Anwender über evtl. notwendige Updates und nennen in vielen Fälle
auch gleich die Bezugsquellen dafür. Zudem ermöglichen sie das
Auffinden und Katalogisieren von Individualsoftware und stellen damit eine
Basis für einen Firmentest zusammen. Der führendeste vertreter der
Testprogramme für Netzwerke ist “Check 2000” von Greenwich
Mean Time.
Individualsoftware
stellt für die meisten Firmen das größte Problem dar. Oft
wurden die Grundstrukturen eigener Programme schon vor langer Zeit, in heute
nahezu ausgestorbenen Programmiersprachen, entwickelt und mit der Zeit zu
gigantischen Werken erweitert. Es fehlt an Dokumentation, an Programmierern und
nicht selten auch an den Quellcodes, um die Programme zu verbessern. Es ist
aber ein Trugschluß, alle Fehler bei alter Software zu vermuten, auch
nagelneue Programme können Jahr-2000-Fehler beinhalten. Fragen Sie sich
mal ehrlich, wie oft Sie in Ihren Programmen die Jahreszahl bislang vierstellig
eingegeben haben? Meistens geben die Anwender die Jahreszahlen zweistellig ein
und “lassen” die anderen zwei von dem Programm ergänzen.
Die
Frage ist dann, hat der Programmierer ein Zeitfenster eingebaut (das
heißt z.B. alle Eingaben ab 00 bis 50 werden mit einer 20- ergänzt
und alle Eingaben ab 51 bis 99 mit einer 19-) oder läßt er die Daten
immer mit einer 19 versehen? Lassen Bildschirmmasken überhaupt eine
vierstellige Eingabe zu? Wenn Zeitdifferenzen berechnet werden, wird dann
vierstellig oder zweistellig gerechnet?
Diese
und noch viele andere Fehlerquellen müssen aufgefunden werden. Sobald die
Software berichtigt wurde, sollten nochmals Tests vorgenommen werden. Die
Testphasen allgemein sind die langwierigsten Phasen eines Jahr-2000-Projekts.
4
- Datenbestände
Parallel
zu den Programmen ist die Frage bei
Datenbeständen,
wie Datumsangaben gespeichert werden. Falls sie nur zweistellig gespeichert
werden, muß entweder ein Zeitfenster (siehe “Programme”)
definiert, oder aber der gesamte Datenbestand konvertiert werden. Eine
derartige Konvertierung ist in Firmen eine sehr zeitaufwendige Sache, da auch
alte (Backups!) Datenbestände konvertiert werden müssen.
Viele
Firmen sichern und entfernen nach Jahresabschluß die laufend nicht mehr
benötigten Daten. Diese Daten müssen natürlich auch konvertiert
werden, falls sie irgendwann einmal wieder gebraucht werden. Zudem stellen sie
ein nicht unbeachtliches Risiko für die korrigierten Datenbestände
dar, falls sie mal vermischt werden sollten.
Zunächst
müssen die Datumsangaben in Datenbeständen erst gefunden, dann nach
ihrer Priorität beurteilt und anschließend ausgebessert werden. Eine
Automatisierung dieses Prozesses ist nur selten möglich. Im Handel
befindliche Programme, die derartiges übernehmen, konzentrieren sich
hauptsächlich auf Standardanwendungen (Datenbanken, Tabellenkalkulationen
etc.) mit Standardformaten.
Individuell
programmierte Software mit individuellen Dateiformaten kann damit nicht
getestet werden, dort sind wieder die Entwickler gefragt.
5
- Datenaustausch
Dem
Punkt
Datenaustausch
wurde bislang immer die kleinste Priorität bezüglich dem
Jahr-2000-Problem zugeordnet. In der vernetzten Welt ist der Datenaustausch
aber nichts Besonderes mehr. Das Konvertieren von Tabellen unterschiedlicher
Tabellenkalkulationen ist für uns eine so selbstverständliche Sache
geworden, wie das Automatisieren von Zahlungsvorgängen per online Banking.
Viele Firmen tauschen untereinander Informationen aus. Überall dort, wo
Daten zwischen unterschiedlichen Systemen und Programmen ausgetauscht werden,
lauern weitere Gefahrenquellen.
Ein
Beispiel:
Die Datenbank A speichert ihre Datumsangaben zweistellig ab, weil sie ein
Zeitfenster benutzt. Die Datenbank B speichert ihre Datumsangabe vierstellig
ab. Es werden nun Daten aus der ersten in die zweite Datenbank exportiert. Wie
verhält sich die Schnittstelle? Bislang war das nur selten ein Problem. Es
wurde einfach immer eine 19 eingefügt. Doch was nun?
Ein
weiteres Beispiel:
Sie benutzen eine alte Offene Posten Verwaltung mit einer Schnittstelle zu
Ihrer Bank. Sie weisen nun Ihre Bank online dazu an, am 30.01.2000 eine
Überweisung für Sie vorzunehmen. Sie übergeben dabei die
Jahreszahl nur zweistellig, also 30.01.00. Die Frage ist nun, wie verhält
sich die Schnittstelle zwischen Ihrem Rechner und der Bank? Wird die Zahlung
als bereits bezahlt, da längst verjährt, abgestempelt, oder sofort
bezahlt, weil längst überfällig eingestuft?
Dies
sind natürlich nur erdachte Beispiele, um die Sachlage etwas zu
verdeutlichen. Auf jeden Fall sollte man sich auch mit möglichen Problemen
beim Datenaustausch beschäftigen, um hier keine unangenehme
Überraschung erleben zu müssen.
Schaltjahre
Zum
guten Schluß noch etwas für die Allgemeinbildung über
Schaltjahre, die auch mehr oder minder mit der Y2K-Problematik zu tun haben.
Zur
Berechnung von Schaltjahren gibt es eine einfache Regel -
alle
durch 4 teilbaren Jahreszahlen sind Schaltjahre
.
Achtung,
es gibt dabei zwei Ausnahmen:
Alle durch 100 teilbaren Jahreszahlen sind keine Schaltjahre. Alle durch 400
teilbaren Jahreszahlen sind Schaltjahre. Da 2000 durch 4 , 100 und 400 teilbar
ist, ist 2000 ein Schaltjahr.
Viele
Programmierer haben sich nur auf die Grundregel beschränkt, da 2000 durch
4 teilbar ist, ergeben sich damit keine Probleme vor 2100, da 2000 und alle
folgenden durch 4 teilbaren Jahreszahlen bis einschließlich 2096 korrekt
als Schaltjahre anerkannt werden.
Gelegentlich
haben Programmierer auch die erste Ausnahme eingebaut und die zweite
bewußt oder unbewußt weggelassen.
Solche
Software wird im Februar 2000 Probleme bereiten, weil sie vom 28.02.2000 auf
den 01.03.2000 geht und damit einen Tag überspringt.
Deswegen muß, wie schon in unserem Bericht erwähnt, die Software und
auch das BIOS darauf getestet werden, ob sie 2000 korrekt als Schaltjahr
anerkennt.
Einige
unserer Leserinnen und Leser fragen sich vielleicht, warum es überhaupt
Schaltjahre gibt. Haben da, wie bei der Sommer- und Winterzeit, die Politiker
am grünen Tischchen irgendwann einmal beschlossen, alle vier Jahre einen
Tag dazuzugeben, um das arbeitende Volk einen Tag kostenlos arbeiten zu lassen
(möglich wäre es ja)? Die Antwort ein ganz klares NEIN.
Schaltjahre
werden benötigt, weil ein Jahr eigentlich 365,242 Tage lang ist und nicht
365 Tage. Deswegen wird alle vier Jahre ein Tag (der 29. Februar)
hinzugefügt. Da aber das Jahr etwas kürzer als 365,25 Tage ist,
summieren sich auf 400 Jahre drei Tage auf, die überflüssig sind.
Deswegen werden in der Periode von 400 Jahren diese drei, bei denn durch 100
teilbaren Jahreszahlen wieder entnommen. Da dies nur drei sein sollen und nicht
vier, bleiben die durch 400 teilbaren Jahreszahlen Schaltjahre.
Rein
rechnerisch betrachtet, beginnt unsere Zeitrechnung mit dem Jahre 1, und nicht
0. Darum wird das neue Jahrhundert bzw. Jahrtausend offiziell erst am
01.01.2001 beginnen. Es hat sich jedoch, vor allem in der Informationstechnik
(da dort das Hauptproblem wegen dem Wechsel der 19 auf 20 entsteht)
eingebürgert, 2000 als den Jahrtausendwechsel anzusehen und so zu
bezeichnen.
Abschließend
möchten wir uns bei der Firma Jahr2000.de Informations-Zentrum aus
Oldenburg für die fachliche Unterstützung bedankten, ohne die dieser
Bericht nicht so zustande gekommen wäre. Unseren Leserinnen und Lesern -
uns selbst natürlich auch - wünschen wir in sechs Monaten einen
“schadensfreien” Jahrtausendwechsel.
In
der nächten Ausgabe werden wir Ihnen zu der Y2K-Problematik zwei
”Test-/Hilfe-Programme vorstellen”. In diesem Sinne erstmal viel
Spaß beim Weiterschmökern...
Ihr
Jumper
Weitere
Informationen:
Jahr2000.de
Informations-Zentrum
Telefon
0441/485 55 55
Telefax
0441/485 55 99
Internet:
www.Jahr2000.de
Herr
Thomas Cybulski