Ausgabe 04/99
Speakers
Corner
Handynummern
wider Willen
Toll
das es Handys gibt. Man ist - so man das Gerät angeschaltet hat und nicht
in einem sogenannten Funkloch ist - überall und zu jeder Zeit erreichbar.
Auch
die Marktstudien und die Umsatzzunahme der Handy-Provider zeigen, dass es
immernoch ein stark wachsender Markt ist. Und nicht zuletzt sind auch die
Anschaffungspreise bzw. die monatlichen Gebühren mittlerweile in die
Bereichen gesunken, dass sich nun fast jeder mit solch einem Teil
“schmücken” kann.
Selbst
die Menschen, die noch kein eigenes Einkommen haben, wenn von den monatlichen
und wöchentlichen Taschengeld-Zahlungen der Eltern mal abgesehen wird,
haben schon oft - nebst Nike-Schuhe und Diesel-Shirt - ein Handy. So war auch
unlängst im Kleinanzeigenteil des CAs zu lesen: ”... armer
Schüler sucht PC für wenig Geld oder umsonst. Telefon
0172.....”. Natürlich will jeder gerne einen “armen”
Schüler, der sich unter Aufbietung seines ganzen finanziellen Rahmens
gerade mal ein Handy leisten kann, einen PC schenken.
Mal
im Ernst, lieber armer Schüler, vielleicht solltest Du bei der
nächsten privten Kleinanzeige einfach mal die Nummer des normalen
häuslichen Telefonanschlußes angeben. Denn es paßt doch
irgendwie nicht zusammen: Handynummer und “armer Schüler” zu
sein, oder? Und wenn Dir jemand einen PC schenken möchte, dann will er bei
Deinem Handy-Provider sicherlich nicht unbedingt noch ein paar Mark
Telefonkosten lassen.
Natürlich
ist auch im zunehmendem Maße zu sehen, daß
“Nicht-Schüler” ihre Handynummer bei den privaten
Kleinanzeigen angeben. Mag sein, dass diese “Handy-Manie” wieder
“Trendy” geworden ist, mag sein. Auch über Sinn und Unsinn
einer Handynummer-Angabe möchte ich nicht streiten.
Im
Normalfall ist es doch so, das, wenn ich ein günstiges Angebot lese, dies
auch günstig erwerben will, nicht erst fünf oder sechs Mark
vertelefonieren will, um rauszufinden, dass das angebotene Objekt vielleicht
doch nicht meinen Vorstellungen entspricht. Ich möchte auch niemanden, der
vielleicht gerade beim Kunden, oder mit dem Partner seiner Träume im
Restaurant beim Essen ist, stören. Also lasse ich es in der Regel gleich
bleiben, solche Nummern anzurufen.
Fazit:
Es ist keinem geholfen, nicht dem, der die Kleinanzeige aufgegeben hat und
nicht dem, der sein Interesse bekunden will. Kommt doch wieder “back to
the roots”.
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Völlig
neues Interneterlebnis
Zu
einem anderen Thema: Haben sie in der letzte Zeit mal wieder Fernsehen
geschaut? Schon die Werbung für den Intel Pentium III gesehen?
“Power
zum
LERNEN...”
“Power
zum
KREATIV
sein...”
“Power
zum
ENTDECKEN...”
“Power
für ein völlig neues Interneterlebnis...”
...ist
schon merkwürdig, vor drei Monaten wurde dieser Pentium III-Prozessor noch
unter dem Codenamen “Katmai” geführt und - so stand es in
etlichen Pressemitteilungen von Intel geschrieben -
speziell
für den Server-Einsatz entwickelt
.
Also extra für “leistungsstarke” Rechnernetze möchte man
meinen.
Als
der Prozessor dann in die Serienproduktion ging, blieben scheinbar die
Vorbestellungen der Geschäftskunden, die ihre Rechnernetze mit diesem
“Schlachtschiff” ausrüsten sollten, aus.
Was
würden Sie also an Intels Stelle mit tausenden neuer P-III-Prozessoren -
die speziell für Netz-Server entwickelt wurden - machen, die niemand haben
will (geschweige denn wirklich braucht)? Glasklar, so schnell wie möglich
eine andere Werbestrategie stricken und versuchen, damit ein anderes Klientel
zu “ködern”. Auch wenn die Werbung auf Kosten der
Firmen-Seriosität geht.
Anders
können wir uns die Werbe-Sprüche und -Bilder nicht erklären: In
dem TV-Werbespot sieht man ein kleines Mädchen (vielleicht so 7 bis 9
Jahre alt) von hinten vor der “Intel-Pentium-III-Türe”, die
Türe öffnet sich und dahinter ist die “Wunderwelt” der
neuen P-III-CPU ist zu sehen. ...
hhmmmh,
ist dieser Prozessor für Kinder? Kann eigentlich nicht sein, dafür
ist das Ding noch recht teuer. Und ich, ein Erwachsener, kann mich bis jetzt
noch nicht mit dem Werbespot indentifizieren.
Wenn
das kleine Mädchen dann den “Pentium-III-Raum” betreten hat
wird eine Stimme, begleitet durch tolle Computeranimations-Szenen begleitet,
hörbar:
“Power
zum
LERNEN...”
“Power
zum KREATIV sein...”
“Power
zum
ENTDECKEN...”
“Power
für ein völlig neues Interneterlebnis...”...
Echt,
ganz Klasse und vor allem sehr seriös, dieser Text. Zum
LERNEN
brauche ICH keinen “Hochleistungsprozessor”, geschweige denn zum
KREATIV
sein - Kreativität habe ich - mehr oder minder - im Kopf oder im
Gefühl. Power zum
ENTDECKEN
- without comment.
Der
Hammer ist aber
...Power
für
ein
völlig
neues
Interneterlebnis...
.
Mit dieser Aussage bewegt sich Intel meiner Meinung nach auf sehr, sehr
dünnem Eis. Hier wird eine Eigenschaft zugesichert, nämlich ein
VöLLIG
NEUES
Interneterlebnis,
das auf den Pentium-III-Prozessor bezogen ist. Wie soll das bloß gehen.
Wenn man z.B. einen 486er (100 MHz)- und einen Pentium-II(350 MHz)-Rechner
nimmt. Beide haben identische Festplatten, Grafikkarten, Hauptspeicher, Browser
etc. An die serielle Schnittstelle wird ein 56K-Modem angeschlossen und ab
gehts ins Internet. Das (Erlebnis) Ergebnis ist gleich. Aufgrund eines
schnelleren Prozessors, bekomme ich bei diesem Beispiel in keinster Art und
Weise ein anderes Internet-Erlebnis, obwohl die Prozessoren einen erheblichen
Leistungsunterschied haben.
Auch
von der Logik her ist das schon ausgeschlossen, ich kommuniziere, wenn ich im
Internet Glück habe, mit max. 56k Datentransfer (die Kompressionsverfahren
lassen wir hier mal ausser acht). Diese Datenmenge ist für beide
Prozessoren nur Pinuts, die werden ohne wirklich warm zu werden abgeschmatzt.
Wie mir oder Ihnen der Pentium-III-Prozessor hier - bei gleicher Peripherie -
ein völlig neues Interneterlebnis bescheren kann, weiß wohl nur
Intel selbst.
Und
wo wir gerade beim Pentium-III-Prozessor und Internet sind, da hat doch die
“Sicherheit in der Informationsgesellschaft” - eine Initiative des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie des Bundesministeriums
des Inneren und des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik,
einen Text veröffentlicht:
Die
von Intel am 21. Februar bekanntgegebenen Sicherheitsfeatures des neuen Pentium
III Chips sind in weiten Kreisen der Computerbranche mit Skepsis aufgenommen
worden. Sowohl Organisationen zum Schutz der Privatsphäre als auch
Experten für Internet Security halten die von Intel vorgesehene Processor
Serial Number (PSN), die eine eindeutige Identifikation des Nutzers über
das Internet ermöglicht, für einen wenig gelungenen Ansatz zu einer
sichereren Geschäftsabwicklung im Internet.
Gewarnt
wird vor allem vor der Gefahr eines Mißbrauchs, da nicht sichergestellt
werden kann, wer (und wer nicht!) die PSN des Surfers auslesen kann. Die von
Intel zu diesem Zweck erdachte Software-Routine zur Abstellung der PSN kann
nämlich laut c’t umgangen werden. Intel arbeitet an einer
Verbesserung.
Während
über Intels PSN noch heiß diskutiert wird, stellt sich heraus,
daß bei Microsoft ein ähnliches Verfahren bereits in Verwendung ist,
um Daten über Win98-Nutzer zu sammeln.
“Genau
das, was die Leute von Intels ID-Nummern befürchten, hat Microsoft schon
in Betrieb”, sagte Richard M.Smith, Präsident der Software-Firma
Phar Lap, in einem Interview mit dem c’t-Magazin.
Demnach
überträgt Windows 98 bei der Online-Registrierung Informationen
über den Nutzer des Rechners und die Hardware nach Redmond, zusammen mit
einer weltweit einmaligen Registriernummer (der sog. GUID). Diese wird beim
Anwender lokal gespeichert und erlaubt somit bei einer Abfrage übers
Internet eine eindeutige Identifikation. Aber auch auf diesem Rechner mit
MS-Produkten erstellte Dokumente werden mit dieser Registriernummer versehen,
so daß diese Dokumente eindeutig dem Rechner zugeordnet werden
können.
Besonders bedenklich ist es, daß - wie auch im Falle der PSN des Pentium
III - eine unbemerkte Fernabfrage dieser Identifikationsnummer vom Nutzer nicht
verhindert werden kann. Dies wurde von Intel bereits offiziell bestätigt,
wobei es sich angeblich um einen Software-Fehler handelt, der in
kommendenSystemen abgestellt werden soll.
Soweit
die Informationen von “Sicherheit in der Informationsgesellschaft”.
Übrigens es handelt sich hier
nicht
etwa um einen Aprilscherz, nein, das ist Realität.
Fazit:
Nicht immer gleich die neuesten Errungenschaften kaufen, erstmal abwarten -
dann wirds auch günstiger... Aber nun genug der Meldungen, die die
Hersteller dieser Produkte nicht so gerne lesen. Ich gebe jetzt erstmal an
meinen Speakers-Corner-Gefährten Joachim König ab. Ihnen liebe
Leserinnen und Leser noch ein schönes Osterfest...
Ihr Jumper
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Das
Technikerleben
Aus
dem Leben eines Technikers
(von
Joachim König)
Bisweilen
fühle ich mich wie ein Notarzt. (Habe meinen Notfallkoffer immer mit dem
Notwendigsten gepackt und griffbereit: Präzisionswerkzeuge und Software
zur Datenrettung, eine Universal-Bootdiskette, Treibersammlung auf CD-ROM,
Kabelbinder, Kabel, Lötkolben etc. pp.). Immer bereit, einem / einer
hoffnungslos Überforderten beizustehen. Servicetechnik ist durchaus nicht
nur ein Handwerk; als hätte ichs geahnt, habe ich auch Psychologie und
Pädagogik studiert (im Nebenfach) und hätte nie geglaubt, wie
bedeutsam die Zusammenhänge zwischen Seele und Technik in der Welt der EDV
sein würden, denn ein verzweifelter, in seinem Besitzerstolz zutiefst
verletzter Computer-Eigentümer braucht zu allererst einen Seelsorger und
dann einen Techniker. Was aber berechnet man fürs Zuhören?
Nur
ein Handy fehlt mir, d.h., eigentlich fehlt es mir nicht, ich habe eben nur
keines, und das hat auch seine Bewandtnis. Zum einen habe ich eine tiefsitzende
Abneigung gegen das allgegenwärtige Symbol ständiger Erreichbarkeit,
das aus jedermann und jederfrau einen / eine Mister / Misses Wichtig macht. Zum
anderen wirft das Nebengeschäft als Computerdoktor nicht einmal das Salz
in der Suppe ab, da ist der Nicht-Besitz eines Handys durchaus zu verkraften.
Warum tue ichs dann trotzdem? Aus Liebe zur Menschheit? Aus Faszination? Aus
reinem Kampfgeist gegen Microsoft? Ich weiß es nicht und werde es wohl
auch nie erfahren.
Ein
Anruf aus Osnabrück: Ein Scanner macht Zicken. Wie er geschaltet ist?
Über den Druckerport natürlich (natürlich natürlich, weil
neunundneunzig Mark und neunundneunzig Pfennige bei der XY-Ladenkette). Also
parallel.
Ich
mache mich auf den Weg. Der Hausherr und stolze, wenn gleich betrübte
Besitzer schildert mir die Macken. Nach dem Scannen streikt der Drucker, nach
dem Drucken der Scanner. Eine gründliche Systemanalyse bringt keine
verwertbaren Ergebnisse. So muß ich ihm leider mitteilen, daß das
Problem bei den 99,99 DM liegt und parallel arbeitende Scanner ohnehin
fehleranfälliger sind. Meinen Rat, er hätte sich besser ein etwas
teureres Modell mit SCSI-Anschluß kaufen sollen, hätte ich mir
schenken können. “Was bin ich Ihnen schuldig?” Tja. Anfahrt,
Arbeitslohn - ich mag es ihm nicht antun, den vollen Stundensatz zu berechnen,
weil er das nicht verstehen würde (“hat eine volle Stunde
herumgespielt und will dafür noch bezahlt werden?”). Gemault hat er
dennoch, wie erwartet. Mache mich auf den Heimweg mit zwanzig Mark Reinverdienst.
Der
Tintenstrahldrucker, den ich einer Bildungseinrichtung geliefert hatte, wirft
seltsame Schriftstücke aus, wie man mir aufgeregt mitteilt. Die Schrift
sei “gebogen”, ich möge schnellstens vorbeikommen, am besten
Vorgestern. “RTFM” (“Read that fucking manual?”, zu
deutsch: “Lies das verdammte Handbuch”), denke ich mir. So etwas
sollte man auch tunlichst nur denken - was würde geschehen, wenn ich einem
Kunden dieses Kürzel entschlüsselt um die Ohren haute? Read that
fucking manual? Was? - Vermittels Ferndiagnose rate ich, den Druckertreiber neu
zu installieren, das Installationsprogramm sei automatisch. Eine halbe Stunde
später der erlösende Anruf, daß der Drucker wieder
störungsfrei läuft. ”Na also”, denke ich mir,
”warum nicht gleich so? RTFM...
Wieder
ein Anruf von weiter weg: Bei einem im XYZ-Markt für 1999,90 DM
erstandenen Pentium II mit zig-megadings und hast-dus-nicht-gesehn tuts der
Joystick nicht. (Ich hasse diesen ganzen Multimedia- Müll, insonderheit
diese Spielekisten, auf denen nur Ballerspiele laufen...). Drei Stunden
Arbeitszeit, bis sich herausstellt, daß Windows ’98 - wie gewohnt -
unverständliche Dinge tut. Zumindest teilweise laufen die guten, alten
DOS-Spiele wieder (”Warrior”, ”Car-Racing”,
”Panzer-General” und so weiter). Die ganze Familie hat mir, dem
Wunderheiler, zugeschaut, und auch ein Nachbar will sich diese Sensation nicht
entgehen lassen. Der präsentiert mir sodann voller Stolz seine soeben
schwarz gebrannte Kopie von Microsofts ”Office 7”, das sich aber
auf seinem Pentium 100 nicht installieren läßt. Neiderfüllt
erzählt er mir, daß es bei seinem Nachbarn doch auch läuft. Ob
ich ihm da nicht helfen kann? Mal eben schnell? Und umsonst, d.h.
natürlich nicht umsonst, sondern kostenlos, ja? Schwarz gebrannte Software
- ich mache mich aus dem Staub, damit will ich nichts zu tun haben.
Der
nächste Kunde will sich beraten lassen (natürlich kostenlos). Im
Irgendwie-Supermarkt würden Super-Systeme angeboten; mit allem Komfort und
-zurück; mit Drucker, Software, Monitor, 1 Jahr Vor-Ort-Garantie und einem
dreitätigen Aufenthalt im Münchner “Hilton”, Flugreise 1.
Klasse. Ob ich ihm dazu raten könne.
Was
soll man dazu sagen? Daß ich das Dings wieder zum Laufen bringe, wenn ein
Bedienungsfehler vorlag und in einem solchen Fall der Vor-Ort-Service eine
saftige Rechnung ausstellen würde? Daß ein vergleichbares System bei
mir rund dreihundert Mark teurer wäre? Daß ich einen Helfer-Komplex
habe?
Ein
Notebook-Besitzer hat Kakao in die Tastatur gegossen. Kein Problem - wenn man
sie ein wenig schräg hält, läuft die braune Geschichte wieder
aus, und man kann sich gemütlich an die Arbeit machen, die Kontakte
herauszupulen und mit QTips-Wattestäbchen zu reinigen, zu einem
Pauschalpreis, selbstredend.
Ein
Freund aus Frankfurt ruft mich spät Abends an, hat Windows NT installiert
und wundert sich. Welche Hardware, wie konfiguriert? Ach, Toppless-Module. Ich
rate ihm (kostenlos, kleine Geschenke erhalten die Freundschaft), die Dinger
auszubauen und ein wenig an dem schwarzen Zeug zu kratzen, mit denen die
Speicherbausteine zugekleistert sind. Und siehe, es erschien eine Botschaft:
”EDO”. Gekauft aber hatte man sie als Fastpage-Module,
giga-günstig beim DLMOS-Versandhandel. Und so weiter, und so weiter, und
so weiter...
Vielleicht
sollte man zur Abwechselung mal ein Buch darüber schreiben. Damit
wäre endlich etwas zu verdienen.