Ausgabe 12/98

Inhaltsverzeichnis


Dr. Nipples Kolumne

... und (wieder mal) am Ende



Der nordwestdeutsche User schwächelt. Anders kann ich mir nicht erklären, daß die in den LIDL und ALDI Märkten jüngst feil gebotenen PCs nicht restlos ausverkauft worden sind. Knapp eine Woche nach diesen Superangeboten standen doch immer noch PC Pakete in einzelnen Filialen unbeachtet herum. Wie kann das sein? Habt ihr kein Interesse mehr an PCs? Was wollt ihr eigentlich noch? Da werden - jedenfalls bei Aldi , das Angebot bei LIDL entsprach dem Fachhändlerlistenpreis von Fujitsu - die Zulieferer geknechtet bis zum Geht-Nicht-Mehr, um dem Kunden/User ein verführerisches PC Angebot machen zu können und dann bleiben da noch Reste? Ge(gessen)kauft wird was in den Regalen steht! Und die Promotion lief doch auch gut. Da wurde in Computer- und Tageszeitungen lang und schlapp über die neuen PC Schnäppchen diverser Handelsketten im Vorfeld berichtet und es gab doch auch Schlangen vor den Geschäften vor der offiziellen Öffnungszeit. Alles für die Katz? Oder haben die Konservendosen- und Hundefutterstrategen sich diesmal einfach verkalkuliert? Denn, das Weihnachtsgeld - vielfach der Hauptfinanzierer für den neuen PC - gibt es erst Mitte oder Ende November. Die Angebote bei LIDL und ALDI aber vor diesem magischen Datum.

Wie auch immer, es hat gereicht, um den Computerfilialisten Schadt Pleite gehen zu lassen. Gerade Schadt hatte in der Vergangenheit zu den Computerhändlern gehört, die immer wieder versucht haben, Tchibo, Aldi oder Lidl das Geschäft mit Computern zu vermiesen. So konterten sie mit entsprechenden preiswerten Angeboten für Computer oder hielten in ihren Filialen auch schon mal 500 Gramm Kaffee zu einem Dumpingpreis bereit. Hat alles nichts genützt, denn Pleite ist nun mal Pleite. Da muß man sich nicht schämen, denn das ist schon anderen in der Branche passiert und es wird auch noch andere Computerketten treffen.

Da gibt es auch noch den Dinosaurier der Branche aus Aachen - Vobis mit Namen - der in den letzten Jahren eine wechselhafte Geschichte durchgemacht hat. Erst ist er von der Metro Gruppe aufgekauft worden, dann sank der Absatz und die neue Strategie - den Mittelstand und professionelle Kundschaft zu gewinnen - war nicht erfolgreich, so daß man sich bemühte, Vobis wieder zu verkaufen. Es meldete sich auch mit CHS ein Interessent - ein Computergroßhändler - doch wurde aus diesem Deal nichts, denn durch die Krise an der Börse sank der Wert von CHS von über 1 Milliarde auf ca. 400 Millionen und so sah man sich nicht in der Lage, mit diesem mageren Hintergrund auch noch den angeschlagenen ehemaligen Klassenprimus Vobis mit seinen Verlusten zu übernehmen. So sinnt die Metro nun weiter auf Abhilfe, um ihr Geschäftsfeld zu bereinigen. Zur Disposition stehen Vobis, Maxdata und Peacock. Da man mit Saturn Hansa und Media Markt auch noch zwei andere Computermärkte sein eigen nennt, muß man langsam aufräumen um sich nicht zu verzetteln. Es geht das Gerücht, daß wenn sich nun kein Käufer für diese 3 Firmen findet - jedenfalls auch Vobis dicht gemacht werden soll. Aber das bleibt nun mal abzuwarten. Auf der anderen Seite bleibt zu fragen, warum man dann erst diese Firmen in sein Imperium eingegliedert hat. Aber wahrscheinlich ist das so wie damals bei Mercedes Benz, daß man sich erst einmal verschiedene Firmen vor der Konkurrenz sichert um so die Marktanteile zu steigern oder zu stabilisieren und mit der Zeit dann erkennt, daß die eigenen Buchhalter gar keine Bilanzen lesen können oder man einfach seinem industriellen Größenwahn erlegen ist. Das soll uns auch gar nicht interessieren, denn wir werden diese Praktiken nicht ändern sondern allenfalls nur mal wieder die Zeche zahlen. Denn das machen diese weisen Manager nicht, sie lassen zahlen.

Aber ich will hier nicht politisch werden, denn das ist ein unerfreuliches Thema und nichts für den Jahreswechsel. Zum Jahreswechsel soll und will man sich immer was Neues und Erfreuliches vornehmen. Das ist auch gut so und so wollen wir es auch in diesem Jahr halten.

Und so fordere ich hiermit alle Besitzer von PCs jedweder Coleur und Art auf: Laßt nicht die Computerschnösel an euer Gerät. Denkt daran, daß PC Personal Computer heißt und daß IHR der Eigentümer und User seid, der mit diesem Gerät arbeiten muß (will). Seid kritisch, haltet eure Festplatten sauber und verzettelt euch nicht.

Diese hier gemachte Aussage will ich euch auch erläutern.

Wie ihr wißt, beschäftige ich mich seit ca. 1980 mit Computern und habe in diesen 18 Jahren meine Erfahrungen gesammelt. Auch bin ich der Meinung, daß es KEINEN Computerfachmann geben kann, denn die tägliche Arbeit mit und am Computer hat mich gelehrt, daß es auch nach 18 Jahren immer noch Dinge und Geschehnisse in diesem Bereich gibt, die für mich vollkommen neu sind und von denen ich bis dato nichts gewußt habe.

Dem gegenüber stehen die Computerschnösel, die schon mal gelernt haben, wie man nach der alten Rechtschreibung Kompjutär schreibt - nach der neuen Rechtschreibung werden sie es gar nicht lernen können - und die immer und überall mit ihrem fachmännischen Kenntnissen glänzen (wollen). Ob gefragt oder ungefragt, ob gewollt oder ungewollt, wenn man sich für einen Computer interessiert und sich per Zeitung oder im Freundeskreis nach den Möglichkeiten und/oder Notwendigkeiten eines solchen Gerätes erkundigt, tauchen sie totsicher auf und belehren dich, was du kaufen mußt, wo du kaufen mußt und welche Computer die besten für dich sind. Sie kennen die besten Einkaufsquellen, die neuesten Preise und aktuellen Trends, sie haben jeden bescheuerten Testbericht jeder bescheuerten Computerpublikation wie früher den Katechismus auswendig gelernt und leiern dir mit den Ergebnissen die Ohren voll. Sie sind soooo cool und soooooo gut.

Hast du dann ein Gerät gekauft und sitzt davor und mühst dich, deine Erfahrungen zu sammeln und mit diesem Gerät umzugehen, dann beehren sie dich mit ihrem Besuch, spielen dir mal eben die neueste - geklaute - Software auf - weil die brauchst du sowieso und was die da mitgeliefert haben ist doch Schrott und taugt nichts, oder es ist die ältere Version und dieses Update ist bei weitem besser und dann kannst du ja auch noch das Feature soundso viel besser gebrauchen und das mit diesem Spiel geht dann so und wenn du dieses Utility auch noch hier in den Manager einbindest dann hast du auf der Festplatte mehr Platz und der Zugang zum Internet wird auch viel einfacher - was, einen Zugang zum Internet hast du noch nicht - ja da machen wir das hier doch mal eben für dich und mit diesem Modem geht das ganz besch..... Da brauchst du das von .... Oder eben die ISDN-Karte von ...... Und da läuft das dann ganz von alleine und die Verknüpfung hier auf dem DeskTop kannst du auch wieder löschen wenn du willst und dann können wir hier mal wieder neu starten und dann sind die Treiber eingebunden und du wirst schon sehen, dann läuft das wie geschmiert... Was, der Computer will nicht booten, das kann doch gar nicht sein, wir haben doch nichts verändert.... Und nun bleiben wir bei der Kachel hängen und das System läuft gar nicht mehr und nun???? Nun ist der PC wohl nicht mehr in Ordnung, da muß der Service her oder du mußt damit zum Händler, ich habe dir doch gesagt, du sollst da und da kaufen und nicht dieses Angebot von .... Der hat doch gar keine Ahnung und viel zu hohe Preise... Also ich muß jetzt dringend weg.

Kommt Ihnen das so ein bißchen bekannt vor? Also, ich kenne das aus eigenem Erleben und von vielen Berichten von Kunden und Anrufern mit PC Problemen.

Mit welchem Recht gehen diese Personen an Ihren Computer, mit welchem Recht spielen sie vielfach ungefragt geklaute Software auf? Warum lassen Sie - Ihnen teilweise unbekannte Menschen - an Ihren PC? Was ist los mit uns? Da schrauben die Schnösel an PCs herum und manipulieren und verbiegen und assemblieren an PCs, die vielfach sensible Daten enthalten und für Sie oder Firmen essentiell sind. Und alles geschieht so selbstverständlich, als sei das schon immer so und als sei das in Ordnung. Das ist nicht in Ordnung. Sie haben in der Regel mehrere tausend Mark für so ein System ausgegeben. Und das aus einem bestimmten Grund. Sie brauchen dieses Gerät für Ihre tägliche Arbeit oder zu Ihrem Vergnügen. SIE wollen damit arbeiten und SIE müssen das Teil kennenlernen und bedienen.

Kaufen Sie etwa ein Mountainbike für mehrere tausend Mark, dann kommt auch nicht Ihr Nachbar und schraubt Ihnen andere Bremsen daran, nur weil die besser sein sollen. Oder wenn Sie sich für eine Urlaubsreise entscheiden, dann fahren Sie doch nicht unbedingt dahin, wo sich die Familie, die unter Ihnen wohnt auch befindet!?

Warum ist das mit Computern so anders? Schämt man sich, daß man (angeblich) so wenig weiß und auch nicht so richtig weiß, wie das Ding zu bedienen ist? Da gibt es nichts, weshalb man sich schämen muß! Im Gegenteil, es zeugt doch von Mut und Selbstvertrauen, wenn Sie sich - auch schon etwas älter und angegraut - mit einem Computersystem beschäftigen wollen und meinen, für sich daraus Nutzen ziehen zu können. Da ist es keine Schande, wenn Sie zusätzlich zu entsprechenden Publikationen den sogenannten Fachhändler ansprechen und sich beraten lassen. Dazu können Sie ja auch eine Person Ihres Vertrauens mitnehmen, der vielleicht auch einen PC hat oder kaufen will und der Sie nicht immer nur belehren will (solche Personen soll es ja geben!). Und vergleichen Sie die Preise, aber auch die Leistungen der einzelnen Fachhändler. Es gibt da nämlich immer noch welche, die nicht nur ”Kisten schieben” wie Aldi und Lidl, Tchibo usw. sondern sich Zeit nehmen für Ihre Kunden. Diese Händler stellen nach Ihren Bedürfnissen ein System zusammen, stellen es bei Ihnen auf und geben eine Einführung in das System und die erworbene Software.

So können Sie erste Ängste abbauen, den Umgang mit dem System lernen und Ihre Fragen werden kompetent beantwortet. So kann man quasi im Dialog den Umgang mit dem erworbenen Computersystem erlernen. Man kann natürlich noch gerne zusätzlich einen Computerkurs besuchen. Ein solcher Fachhändler bietet in der Regel auch noch telefonische Unterstützung bei anfallenden Fragen zum Computer und der Software. Wunder kann er aber nicht vollbringen. Und wenn Sie dann die Preise von Retailern und Computermarktketten und solchen Händlern vergleichen, dann werden Sie schnell merken, daß Ihr Geld bei einem solchen Händler gut angelegt ist.

Ich frage mich allerdings, warum das nicht in die Köpfe der User gelangt. Viele werden beim Lesen der vorigen Zeilen mit dem Kopf genickt haben und sich gesagt haben, hat doch Recht der Kerl. Hat er. Aber das sagt er schon seit 10 Jahren im CA und trotzdem werden die Superduper-echt-geil-und-günstig Angebote in den Lebensmittellketten den Kassierern und Kassiererinnen regelrecht aus den Händen gerissen. Das kapier ich nicht! Aber ich will das auch gar nicht versuchen zu analysieren, denn da täten sich bestimmt Abgründe auf. Da wird dann so ein Schlaumeier von Püschologe bestimmt aufdecken, daß wir in unserer Entwicklungsgeschichte ein Trauma von den ersten Kriegsmaschinen im Mittelalter haben, als diese Türme an die Stadtmauern rollten und die Verteidiger von oben herab mit ihren Pfeilen beschossen haben und sie so kampfunfähig machten oder so oder so ähnlich. Will ich gar nicht wissen. Interessiert mich nicht. Läßt mich kalt.

Ich glaube aber auch nicht, daß - weil nun noch ein paar Rechner bei Aldi und Lidl übrig waren - die Leute zum Nach- und Umdenken gekommen sind. Meiner Meinung nach liegt das nur am noch nicht vorhandenen Weihnachtsgeld zu diesem Zeitpunkt. Nur, vergleichen Sie wirklich mal die Leistungen nach dem Kauf. Ob es sich wirklich rechnet, daß Sie bei Problemen erst eine 0180er Nummer anrufen müssen (”nur 0,48 DM/min”), dann die Versandkosten zu tragen haben und warten ”dürfen”, oder ob Sie ein Ortsgespräch führen, den Rechner kurz in der Werkstatt beim Händler vorbeibringen und in den häufigsten Fällen am nächsten Tag oder ein paar Stunden später mit einem intakten Computer den Laden wieder verlassen!? Fast alle Verbraucherverbände sprechen von der ”Servicewüste” Deutschland, hier, wo Service geboten wird, strauchelt der Verbraucher. Verkehrte Welt?

...und Tschüß...

Das ist mein letzter Beitrag als Dr. Nipple im Computer Anzeiger. Sie mögen mir vielleicht verzeihen, wenn nicht alles, was ich oben gesagt habe, als Satire gemeint ist. Aber in den letzten Jahren gehen mir diese Computerschnösel wahnsinnig auf den Senkel. Und ich kann und will nicht verstehen, daß die mit ihrer Art und ihrem Halbwissen (wenn sie denn überhaupt irgendwas an Wissen haben) weiter kommen und Leute von ihnen beeindruckt sind. Selbst wenn diese ”Fachleute” bei ihren Unternehmungen scheitern und nicht weiter kommen, dann können sie ungestraft weiter machen und ihr Unwesen treiben. Warum? Nur weil so ein Typ, der mal gerade mit den Leistungsfächern Religion und Sport das Abi geschafft hat, nun Informatik studiert und an seinem eigenen Rechner rumbastelt? Das gibt ihm das Recht an einem Netzwerk einer großen Firma zu basteln? Und wenn das Netzwerk oder der Server dann abgestürzt sind dann wird der Service gerufen bzw. die Garantie in Anspruch genommen.

Und wenn der Anwender zu Hause nach dem Besuch eines solchen Schnösels vor dem schwarzen Monitor sitzt, dann wird auf Garantie und Service gepocht? Wenn der Anwender das mit dem schwarzen Monitor selbst ”geschafft” hat, weil er sich mit seinem System beschäftigt hat, dann ist dort ein gewisser Lerneffekt eingetreten. Wenn das aber von einem Computerschnösel fabriziert worden ist, dann macht das einen vorsichtigen und sich langsam herantastenden Anwender nur noch ängstlicher. Das muß nicht sein.

Ich bin wohlgemerkt nicht gegen ”Basteleien” am Computer, nicht gegen das Ausreizen des Computersystems bis zum Äußersten. Aber das soll der Anwender selbst mit seinem System machen oder von qualifizierten und eingearbeiteten Usern. Jetzt wird wieder kommen, wer ist nun qualifiziert und wer nicht; wer hat ein Recht, fremde Rechner zu tunen (Hardware und Software) und wer nicht. Ganz einfach, das soll (im Heimbereich) der entscheiden, dem das System gehört. Im professionellen Bereich hingegen gibt es schon genügend Nachweise, die eine entsprechende ”Qualifikation” erkennen lassen. Und dazu gehört nicht immer ein Studium.

Genug, genug...

Ich sage ”Tschüß und Auf Wiedersehen” zu meinen Leserinnen und Lesern, wer mehr an Dr. Nipple interessiert ist, der wird mich schon finden. Per Telefon, Fax, eMail oder im Internet. Ihr Dr. Nipple