Ausgabe 10/98

Inhaltsverzeichnis


Dr. Nipples Kolumne

In nächster Zeit...

Liebe Leserinnen und liebe Leser, im nächsten Jahr kommen einige Veränderungen auf uns zu. Zum einen kommt der Euro - dazu später mehr - und zum anderen wird es diese "Dr. Nipple Kolumne" ab Januar 1999 nicht mehr geben. Mir hat man sozusagen einen "Lehrstuhl" ("Professor" klingt doch gut) in einem anderen Einzugsgebiet angeboten. Da habe ich mich ein paar Wochen erst einmal geziert, da ich Ihnen und dem CA gegenüber ja so etwas wie eine moralische Verpflichtung zu haben glaubte, aber das neue Betätigungsfeld, auch wenn es woanders ist, konnte ich schlußendlich nicht ausschlagen. Es fällt mir natürlich auch sehr schwer, nach über 10 Jahren den Computer Anzeiger und dem Team, das dahinter steht, ein Good Bye zusagen. Mein Nachfolger - den Namen verrate ich noch nicht - ist ebenfalls ein anerkannter und versierter Fachmann, dem ich jetzt schon allzeit ein interessantes Thema wünsche...

Der "EURO" und das "Jahr-2000-Problem"

Aber im Januar 1999 ändert sich auch noch etwas anderes. Der EURO hält Einzug in das wirtschaftliche und geschäftliche Geschehen der Bundesrepublik. Na aber, kein kühles Schulterzucken und keine verständnislosen Gesichter; dies geht uns alle an. Ob es das Geld in Luxemburg ist, der Inhalt Ihrer Geldbörse, die Steuererklärung oder einfach die Preisauszeichnung des Handels. Der Euro ist ab Januar überall. Egal, ob Verbraucher oder Händler, für die Einführungsphase des Euro vom 01.01.1999 - 31.12.2001 gibt es keinen Zwang und kein Verbot. Es liegt an Ihnen, den für Sie günstigsten Umstellungszeitpunkt zu wählen. Zusammen mit der Umstellung zu dem Jahr 2000 ist es eine einmalige Gelegenheit, diese bei den Ereignisse sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Denn das Jahr 2000 kommt bestimmt und der Euro auch. Beide Ereignisse verursachen Kosten, für den privaten Computeranwender ebenso wie für den gewerblichen Computernutzer. Dieses ist die Gelegenheit, sich von veralteten Programmen und Systemen zu trennen, und bei entsprechender Planung nicht alles auf einmal und kurzfristig, sondern längerfristig und bezahlbar sowie überschaubar zu gestalten. Bleiben wir erst einmal beim Euro. Haben Sie schon das entsprechende Zeichen als True Type oder PostScript Font auf Ihrem Rechner? Nein, man kann es im Internet kostenlos beziehen. Man kann aber auch eine neue Tastatur mit diesem Sonderzeichen kaufen, dann ist es im gewerblichen Bereich einfacher einsetzbar. Und 40,- DM sind ja nicht die Welt. Wenn Sie aber auch noch ein Faktura-, ein Buchführungs- oder anderes finanztechnisches Programm benötigen, dann erkundigen Sie sich doch bei dem Hersteller Ihrer jetzigen Software, ob er das mit dem Euro auch als Update bieten kann. Und wenn ja, zu welchem Preis. Denn manchmal ist es billiger, sich ein neues Programm zuzulegen als ein überteuertes Update. Natürlich sollte dann dieses Programm auch Jahr-2000 fähig sein. Ist doch klar! Und wenn Sie dieses machen, dann bieten Sie doch alternativ zu der Ausgabe in DM auch die Ausgabe in Euro an. So zeigen Sie Flagge und Kompetenz; außerdem ist es bei einer durchgehenden Rechnung in Euro doch so, daß Sie den Vorteil genießen, keine Wechselkur- oder Umrechnungsspesen bezahlen zu müssen, bzw. sie schalten bestimmte Wechselkursrisiken einfach aus. Natürlich liegt es bei Ihnen, diese Umstellung vorzunehmen, doch bis zum 30. Juni 2002 müssen Sie Güter und Dienstleistungen in DM und EURO auszeichnen. Mit Einführung des Euro und der Akzeptanz durch Handel und Gewerbe werden Preisvergleiche transparenter, Umrechnungen entfallen - für den Verbraucher ebenso wie für den Händler - und es wird auch für kleinere Unternehmen interessanter, mal über die deutsche Grenze zu schauen und im Ausland tätig zu werden.

Der Umrechnungskurs wird immer mit sechs signifikanten Stellen bestimmt. Bei der Rundung von Eurobeträgen darf nie der Umrechnungskurs, sondern nur das Umrechnungsergebnis kaufmännisch gerundet werden. Das muß u.a. auch Ihr neues Fakturierungsprogramm beherrschen. Was gibt es also für Sie zu bedenken? Je nach Größe des Unternehmens sollten Sie einen EWU Beauftragten ernennen, dann sollten Sie die von der Umstellung auf die Eurowährung betroffenen Systeme identifizieren; listen Sie hier nach eigenen Systemen, fortentwickelten Fremdsystemen und nach reinen Fremdsystemen auf. Nehmen Sie rechtzeitig Kontakt mit Softwareanbietern zwecks Zeitpunkt und Inhalt oder Informationsbeschaffung der von Ihnen vorgesehenen Maßnahmen auf und informieren Sie rechtzeitig Ihre internen und externen Partner über die von Ihnen vorgenommene (vorzunehmende) Anpassung der Schnittstellen; stellen Sie Überlegungen hinsichtlich der Reichweite der Umstellungen oder Umrechnungen in den Systemen an. Organisieren Sie die Umstellung und bestimmen Sie den voraussichtlichen Aufwand für die Umstellungsaktivitäten und bedenken Sie dabei auch die Notwendigkeit, die Umstellung evtl. zeitversetzt vorzunehmen. Hier besonders im Hinblick auf die Notwendigkeit, die gesamte Unternehmenssoftware sowie die Hardware Jahr 2000 fähig zu machen. Für die Euroumstellung können Sie im Internet Nützliches und Interessantes unter: www.bundesfinanzministerium.de; www. bmi.de und euro.pearl-online. com. finden.

Stellen Sie sich vor, Sie werden eines Morgens wach und das Licht in Ihrer Wohnung geht nicht, das Wasser fließt auch nicht, weder warm noch kalt; keine Zeitung da und Radio und Fernsehen ist natürlich auch nicht - weil kein Strom. Dann gehen Sie zur Bank und wollen noch einmal kurz etwas Geld abheben, aber weder das Schloß zum Automatenraum noch andere Automaten funktionieren.

Schwer vorzustellen? Ist doch kein Atomkrieg und die Gefahr aus dem Osten ist doch nur noch Schnee von gestern. Richtig. Aber schauen Sie doch einmal aufs Datum. Es ist der 1. oder 2.01.2000. Was soll Ihnen das nun wieder sagen? Nun, die Dienstleistungsunternehmen haben schlicht und einfach verpennt, daß sie ihre PCs und Software an das Jahr 2000 anpassen müssen (siehe dazu auch Seite 18, "Bremen und Umzu"). Wohlgemerkt will ich hier keine Hysterie schüren und nur schwarz in schwarz malen, aber ein gewisses Problem ist das schon. Für den Heimanwender schon etwas weniger als für den Freiberufler oder ganze Industrieunternehmen oder Dienstleister wie Stadtwerke oder Energieversorger.

Eines der Grundprobleme liegt in der Art und Weise, wie viele Softwareprogramme und auch Hardwarekomponenten die Jahreszahlen darstellen. In der Regel geschieht dieses in zweistelliger Form. Und durch den Verzicht der Angabe des Jahrhunderts geht die Eindeutigkeit der Datumsanzeige verloren. Das Jahr 2002 erscheint dann in der Logik der Programme als das Jahr 1902. Das führt natürlich zu fehlerhaften Berechnungen. Und als Zeitspanne zwischen dem Jahr 1998 und 2004 wird dann von den Programmen nicht mehr 6 Jahre sondern 94 Jahre errechnet. Ist doch klar!? Wer im Jahre 1966 geboren wurde könnte im Jahre 2001 in Rente geschickt werden oder aber der Senior des Jahrgangs 1906 könnte im Jahr 2000 seinen Einschulungsbescheid erhalten. Und wenn das kein Problem ist? In den außereuropäischen Ländern ist dieses Problem schon seit längerer Zeit in Angriff genommen worden, bei uns in Deutschland wird man nur ganz langsam wach und erkennt das Problem.

Wir haben es hier mit Problemen besonders in den Bereichen Hardware, Standardsoftware, Individualsoftware und den bestehenden Datenbeständen zu tun.

Wenn Sie Ihr Computerhandbuch oder Dr. Nipple über die Jahre gelesen haben, dann wissen Sie, daß Ihr Motherboard eine RTC (Real Time Clock) hat, einen Baustein zur Zeitmessung. Bei dieser Uhr ist aber nur eine zweistellige Jahreszahl vorgesehen. Beim Wechsel von 1999 auf 2000 wird diese auf das Jahr 00 zurückgesetzt. Für die Speicherung des Jahrhunderts ist das CMOS RAM zuständig, für das ein Byte reserviert ist. Dieser Wert bleibt jedoch von den Vorgängen in der RTC unberührt und kann nur direkt verändert werden. So dürfte das für die meisten heute gebräuchlichen PCs kein Problem sein. Mit einem einfachen Test können Sie z.B. überprüfen, ob Ihr PC für das Jahr 2000 fit ist. Was für Sie allenfalls zu tun bleibt, ist, daß Sie am 01.01.2000 das Jahrhundert im CMOS RAM manuell ändern müssen. Das werden Sie schon schaffen.

Wenn Sie im Bereich Software überwiegend mit Standardsoftware arbeiten, dann sollten Sie in der Regel kein Problem mit der Umstellung ins nächste Jahrtausend bekommen. Entweder sind diese Standardprogramme schon angepaßt oder sie werden es gerade mittels eines (meist kostenlosen) Updates. Haben Sie aber noch eine Menge Individualsoftware - selbst programmiert oder von kleinen Softwareschmieden - so stehen Sie evtl. vor einem Problem. Entweder sind Sie noch so fit und stellen Ihr Programm selbst um, oder aber es gibt noch die kleine Softwareschmiede, die auch noch das Programm kennt und es entsprechend programmieren kann. So sind im Bereich Wirtschaftssektor noch viele COBOL Programme im Einsatz, die seinerzeit von halbwegs kundigen Mitarbeitern selbst geschrieben worden sind. Wenn diese Programme mit Datum- und Zeitbezug arbeiten, gilt es zu prüfen, ob es Probleme mit der Datumsumstellung geben kann. Und manch altgedienter Assemblerprogrammierer kommt so auch wieder zu neuen Ehren, wenn er nämlich so manches Individualprogramm in Maschinensprache umstellen kann. Man muß aber auch die selbstgestrickten Makros in Excel oder Word auf ihre Verwendbarkeit über das Jahr 2000 hinaus prüfen, denn wenn sie auch Bestandteil eines sicheren Standardprogrammes sind, so sind doch diese Makros nicht automatische Jahr 2000 sicher. Denken Sie doch nur einmal an eine Tabelle in Excel, in der Sie mit einer zweistelligen Jahreszahl rechnen. Gewiß tun und taten das alle, aber nun rächt es sich einfach. Und das ist nur ein kleines Problem. Und trösten Sie sich: Shell prüft weltweit über 70.000 Programme mit über 100 Millionen Lines of Code, Texaco ca. 65.000 und Union Pacific in den USA etwa 82% seiner Programme.

Inzwischen sind schon über 250 verschiedene Tools zur Lösung der Jahr-2000 Problematik allein auf dem deutschen Markt aufgetaucht. Es lockt die schnelle Mark. Viele sind Eintagsfliegen und unseriös. Die Gesamtkosten für die Softwareumstellungen sind atemberaubend: ca. 300 - 600 Milliarden Dollar soll das weltweit kosten. Pro Line of Code rechnet man bei Cobol mit etwa 60 Pfennig. Und vor allen Dingen, mit den anfallenden Kosten wird die hauseigene Datenverarbeitung keinen Deut besser, schneller oder billiger; nur angepaßter.

Rechnen Sie doch einfach mal mit: Bei einer Firma laufen auf einem Mainframe 15.000 Programme, das Analyse-Tool hat 150.000 Datumsfelder entdeckt. Davon benutzen 70% das aktuelle Datum, also würden am 1. Januar 2000 noch 105.000 Felder einen Fehler erzeugen. Bei einer Fehlerquote von 0,1% (bei der Umstellung) würde es bedeuten, daß 105 nicht korrigierte Felder für Probleme sorgten. Und diese gilt es dann wieder in den vielen Lines of Code herauszusuchen, mit dem Groll der Geschäftsleitung im Nacken...

Es hüten sich wohlweislich alle Anbieter vor dem Versprechen, mit ihren Tools ein System vollkommen clean zu bekommen; denn schon die Suche nach Datumsfeldern ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Nicht alle Datumsfelder sind nach tt/mm/jj oder mm/tt/yy bzw. year verzeichnet, sondern viele Programmierer haben sich oder ihre Spitznamen oder die von Freunden oder Feinden/Angehörigen etc. verewigt. Und dokumentiert sind solche Sachen natürlich auch nirgendwo. Und wo gibt es eigentlich noch den Sourcecode zu einem Programm? Haben Sie schon einmal in Ihrer Firma danach gesucht? Und überlegen Sie einmal weiter: Datumsfelder sind nicht immer passiv, sondern stoßen andere Berechnungen an und durchlaufen mit ihren Operationen Netzwerke im Hause, außer Haus und weltweit...

Es reichte also nicht, seine eigene Datenverarbeitung umzustellen und zu sanieren, sondern es muß jeder eingehende Datenbestand künftig zur Sicherheit einen Filter durchlaufen, der zweistellige Jahreszahlen übersetzt. Und haben Sie auch bemerkt, daß es im Jahr 2000 einen zusätzlichen Tag gibt, den 29.02. im Schaltjahr. Aber Jahrhundertjahre wie z.B. 1900 sind keine Schaltjahre, außer sie sind durch 400 ohne Rest teilbar. Das haben z.B. auch einige Programmierer nicht gewußt. Aber Sie wissen es jetzt und Sie wissen auch, wie Sie an Informationen über das Jahr-2000 Problem herankommen. Natürlich über das Internet. Da bietet jeder große Softwarehersteller eigene Seiten zu diesem Problem an; oder schauen Sie mal auf www.bsi.bund.de; da wird Ihnen weiter geholfen.

Bis zum nächsten Mal... Ihr Dr. Nipple

Fonts mit dem Euro-Zeichen sind im Internet zu finden, unter:

Euro-Fonts (Type1, PostScript): http://www.adobe.com/type/eurofont.html

Fonts (TrueType) mit Euro-Zeichen: http://www.microsoft.com/typography/fontpack/default.htm

Weitere-Fonts mit Euro-Zeichen: http://www.maccampus.com - http://www.matchfonts.com - http://www.bitstream.com/news/what/pi.html

Ein Font, mit Euro- und vielen weiteren interessanten -Zeichen, ist kostenlos unter http://www.fh-bochum.de/fb1/vogel/marvosym.html zu finden.