Ausgabe 06/98

Inhaltsverzeichnis


Dr. Nipples Kolumne

"Realhelp" - echte Hilfe!?

Ich sitze so vor meinem Rechner mit Windows95 als Benutzeroberfläche und bin "einigermaßen" zufrieden, denn seit Wochen habe ich keine Systemabstürze mehr gehabt und es läuft in der Regel alles prächtig.

Alle Lotus Smartsuitefunktionen sind da, mein Internetanschluß per ISDN macht auch niemals Probleme und doch soll und darf ich nicht zufrieden sein?! Stillstand und Zufriedenheit sind der Feind des Fortschritts oder so?! - nee, das meine ich nicht.

Ich habe ein Utility installiert und das sagt mir, daß mein Windows95 ja man ganz schön doof aussieht. So habe ich 563(!!!) unzusammenhängende Registrierungseinträge, Hardwarekonflikte, fehlende Dateien wurden gefunden, Anwendungskonflikte und ungültige Einträge in den Konfigurationsdateien. Hätten Sie das geahnt? Ich auch nicht. Es läuft doch alles gut und stabil. Denke ich und denken Sie, aber ich habe das Programm REALHELP für Windows95 von der Firma Quarterdeck installiert. Es sollte mir weiterhelfen in dem Bemühen, mein Windows95 System zu bereinigen und sauber zu halten. Realhelp kann nämlich sooo viel: Systemabstürze abfangen und das Sichern meiner Daten erlauben. Nicht mehr reagierende Anwendungen kann es reaktivieren, es warnt vor drohenden Festplattenausfällen, erstellt bootfähige Rettungsdisketten, macht eine Virenprüfung und -reparatur, überwacht den Arbeitsspeicher und warnt mich vor Problemen. Behebt Softwarekonflikte und installiert automatisch Treiber und Software-Updates, behebt Windows95 Konfigurationsdateiprobleme und erkennt Konflikte vor der Installation neuer Software. Startet eine Überprüfung des PCs mit einem Mausklick, kann sämtliche an meinem PC vorgenommenen Änderungen rückgängig machen und ermöglicht die zeitliche Festlegung automatischer Updates und es leistet Hilfestellung bei der Planung von Prüfungen der Festplatte und der Systemleistung. So steht es jedenfalls auf der Verpackung.

Das Paket kommt zu einem Preis von unter 100,- DM zu mir ins Haus, enthält ein 200seitiges Handbuch in deutsch, eine CD mit dem Programm und einen Quarterdeck Passport zum Benutzen der vielfältigen Registrierungs- und Updatemöglichkeiten. So vom ersten Eindruck her ist es also wohl das Programm bzw. Utility, auf das wir bis heute alle gewartet haben. Ach ja, ich habe die DeLuxe Version erworben und da habe ich noch zusätzlich ein 1jähriges kostenloses Abonnement für die Quarterdeck Web Site TuneUp.com mit einem umfassenden Onlineservice, besonders auch für Probleme mit Office95 und Office97 und einer erweiterten Wissendatenbank Find-a-Fix. Das wären nun aber wirklich alle Features dieses Programms.

Wie wird es installiert. Nun, rufen Sie im Arbeitsplatz die Systemsteuerung und hier Software auf, klicken Sie auf Installieren und schon geht es los, sofern Sie die Realhelp CD ins CD-ROM-Laufwerk gelegt haben. Sie werden dialoggesteuert durch die Installationsroutine geführt und nach erfolgter erfolgreicher Installation können Sie gleich einen vollständigen Systemtest machen lassen. Zum Deinstallieren gibt es übrigens ein entsprechendes Deinstallationsmenü. Also alles nicht so wild und relativ einfach, auch für den ungeübten Benutzer eines Computers. Wenn man dann auch noch zur Installation das (gute) Handbuch zu Rate zieht, ist es wirklich ganz einfach und easy.

Das Handbuch glänzt nicht nur mit einem ausführlichen Inhaltsverzeichnis, nein, es hat auch noch ein relativ gutes Glossar für die wichtigsten benutzten Fachbegriffe. Eine gelungene Vorstellung. Am Monitor macht das Programm auch keine schlechte Figur. Es ist vom Aufbau her einfach, gut und einfach zu bedienen, und viele Programmpunkte sind selbsterklärend. Sie haben überall Direkthilfe PopUp-Fenster, Statusmeldungen und Fortschrittsanzeigen und das jeweils aktive Fenster ist durch einen sich bewegenden roten Punkt gekennzeichnet.

So habe ich also mein System untersuchen lassen und bin zu dem, am Anfang dieses Berichtes, zitierten niederschmetternden Ergebnis gekommen. Das hat mich natürlich ungemein verunsichert. Wie, warum und weshalb habe ich mich da gefragt. Was habe ich wo und warum denn falsch gemacht? Es lief und läuft doch nun alles wunderbar. So habe ich dann mein System erst einmal nach Anleitung von Realhelp langsam und vorsichtig versucht aufzuräumen. Ich habe den Servicemanager in die Autostartroutine einbinden lassen und so wird in der Startleiste beim Lautsprechersymbol und der Uhr eine kleine Flagge nach dem Start des Systems erzeugt. Rote Flagge für Probleme und grüne Flagge für ein - nach der Meinung von Realhelp - stabiles sauberes Windows95 System.

Ehrlich, auch nach gut 2 Wochen auf und mit verschiedenen Rechnern habe ich bis heute nach dem Systemstart keine grüne Flagge gesehen! So zieht man dann den Mauszeiger jedesmal zu der roten Flagge und läßt sich anzeigen, was denn diesmal wieder alles so falsch ist; und wenn man dann den entsprechenden Punkt der Auflistung anklickt, kommt man in das Menü zur Beseitigung des oder der Konflikt(s)e. So einfach ist das. Denken Sie. Haben Sie schon einmal versucht, 563 Einträge aus der Registrierung zu löschen? Na also. Natürlich bietet Realhelp dort Unterstützung an, aber bei mir war das so, daß als Ultima Ratio nur das Ignorieren oder das manuelle Löschen blieb. Da gibt man doch nach 50 Einträgen entnervt auf und installiert sein System lieber noch einmal ganz neu!

Was aber wirklich ganz gut und brauchbar ist, ist die Hardware- und Software Diagnose bzw. Inventarisierung des PCs. Da wird auf der einen Seite die vorhandene Hardware untersucht und getestet und andererseits die Software auf der Festplatte aufgelistet und nach bestehenden Problemen im Speicher und untereinander abgesucht. So kann man seinen PC schon etwas besser Windows95 tauglicher machen. Nebeneffekt: löscht man aus der Softwareliste ein Programm, so wird es auch von der Festplatte gelöscht!

Erwähnenswert ist auch die Crash-Abwehrfunktion des Programms. Eine automatische Absturzschutzfunktion wird gestartet und im Idealfall kann man seine vorhandenen Daten noch speichern, wenn eine Anwendung einen schwerwiegenden Fehler verursacht und die Crash-Abwehr kann selbst Anwendungen wieder aktivieren, die auf keine Eingaben mehr zu reagieren scheinen. Aber mit einem abgestürzten T-Online Dekoder hat das Programm so auch seine liebe Not, so daß ich doch dann immer wieder den Resetknopf bemühen mußte. Sie können bei Crash-Abwehr auch noch einstellen, ob Sie 16Bit oder 32Bit Anwendungen überwachen wollen oder beide, und bei der Feineinstellung bei 16Bit Anwendungen können Sie weiterhin die Parameter Allgemeiner Schutzfehler, Ungültiger Operations-Code und Division durch Null einstellen. Bei der Überwachung von 32Bit Anwendungen haben Sie allein die Möglichkeit, zwischen 20 verschiedenen Funktionen zu wählen. Wenn Sie anschließend Generieren wählen, wird Ihr System entsprechend untersucht und evtl. eine Meldung ausgegeben. Zu dieser Problemmeldung können Sie sich dann mehr Details anzeigen lassen, Sie können die Task beenden, den Fehler beheben lassen oder auch die Probleminformation speichern.

Bei dem Punkt Find-a-Fix haben Sie im Prinzip eine unbegrenzte Anzahl an Lösungen für Ihren PC und Ihre Software unter Windows95. Es wird auf der CD nach Lösungen gesucht und auch im Internet in der ständig aktualisierten Datenbank bei Quarterdeck. Das ist eigentlich mit das beste Tool dieser ganzen Sammlung von Tools, andererseits kann man das Tool Software zur Installation von Software ganz vergessen, denn es ist einfach nicht mehr aktuell.

Aber noch ein Schmankerl: Realhelp hält eine Herstellerdatenbank mit den Adressen von über 2.000 führenden Herstellern von Hard- und Software bereit. Da findet man die Telefon und Faxnummern der jeweiligen Firma, die eMail-Adresse, die Nummer des BBS, die CIS oder AOL-Adresse und die URL-Adresse der Website. Leider gibt es bei einigen Herstellern nur die Daten aus USA, obwohl diese Firmen eine eigenständige Filiale in Europa oder Deutschland haben. Da gibt es bei diesem Programm noch einiges nachzubessern, wenn es denn noch einmal ein Update oder eine zweites Version dieses Utilities geben soll.

Auf der einen Seite bietet Quarterdeck umfangreiche und kompetente Unterstützung per Telefon, Fax, BBS und Internet an und macht das auch noch einmal in seinem mitgelieferten Passport besonders deutlich. Andererseits liefert die Firma auch solche Utilities wie Clean Sweep an, die schon besser im Markt eingeführt und auch besser in der Leistung und Ausstattung sind. Es bleibt also Ihnen überlassen, ob Sie solch ein "Zwitter-Utility" überhaupt auf Ihrem Rechner benötigen bzw. haben wollen(müssen). Und, Leute, das gilt jetzt ganz allgemein; bei einem Preis von weit unter 100,- DM pro Utility muß man keine geklauten Programme einsetzen, die kann man gefälligst ehrlich erwerben und man muß ja auch nicht 35 verschiedene Utilities unter Windows95 auf seinem System haben! Vielleicht wieder bei Windows98 (wenn man es denn unbedingt haben muß) oder bei Pentium II Systemen? Das kann schon etwas vernünftiger sein. Denn die Welt ist schlecht!

Sicherlich haben Sie mittlerweile auch schon davon gehört, daß gefälschte Pentium II CPUs aufgetaucht sind. Die Zeitschrift c't berichtete schon mehrfach darüber. Da haben doch wieder findige Spitzbuben Pentium II 266MHz CPUs in Pentium II 300MHz CPUs umgetauft. Kleiner Gewinn pro umgelabelter CPU von knapp 250,- DM. Ist doch auch was!

Schon seit Jahren wird Intel immer wieder darauf aufmerksam gemacht, daß seine CPUs nicht fälschungssicher sind. Reaktion von Intel: Nahezu keine! Wir - Intel - bringen keine gefälschten CPUs auf den Markt, ist also vordringlich nicht unser Problem. Zur Schlechtigkeit in der Welt kommt noch die Ignoranz und Überheblichkeit der Hersteller von Computerbauteilen und Software. Es ist ein beliebtes Thema von mir, mit dem ich Sie hier aber erst einmal verschonen will. In der c't BBS liegt übrigens ein Programm, mit dem man ganz schnell eine gefälschte Pentium II CPU erkennen kann. Dann bleibt Ihnen nur der Weg zum Händler, auf daß er die gefälschte CPU umtauscht bzw. umtauschen läßt. Denn die so aufgemotzten CPUs können ganz schnell ihren Dienst versagen und nicht nur durchbrennen, sondern auch noch andere Komponenten im Computer in Mitleidenschaft ziehen.

Überlegen Sie sich einmal, welch' ein Unsinn da von Intel angezettelt worden ist mit der Slot-1-CPU Pentium II! Ein Slot-2 mit einer entsprechenden CPU ist auch schon fast serienreif. Da will man sich gegenüber der Konkurrenz AMD, CYRIX/IBM und anderen absetzen und entwirft einen vollkommen neuen CPU-Sockel. Die neue CPU ist nun auf einmal nicht mehr flach und unscheinbar, sie ist nun groß, klotzig und benötigt mit essentiellem Kühler den Platz einer 3 1/2" Festplatte auf der Hauptplatine. Auch wenn die CPU auf der Platine "steht", man muß ein Gerüst auf dem Motherboard errichten, um das ganze Gebilde aufnehmen zu können. Damit ist die Lüftung des obligaten ATX-Netzteils blockiert. Das heißt, in einem entsprechend benutzten Pentium-II-System empfiehlt sich der Einbau eines zusätzlichen Lüfters. Dazu gibt es den Intel LX Chipsatz. Haben nun ganz viele gekauft und sind doch schon wieder reingefallen. Denn die schnelleren Pentium-II-CPUs wie 350MHz und 400MHz benötigen einen anderen Intel Chipsatz, den BX. Da braucht es auch anderen DIMM Speicher, solcher, der mit einer 100MHz Systemtaktgeschwindigkeit arbeiten kann. Das dieser Dimmspeicher auch wieder teurer ist - genau wie die BX Platinen - versteht sich ja von selbst.

Dann bringt Intel den "Celeron"-Chip auf den Markt. Eine Pentium-II 266MHz CPU für den kleinen Geldbeutel. Ein netter Zug mag man denken. Falsch. Diese CPU hat keinen Cache Speicher und ist damit billiger, außerdem fehlt ihm das verkleidende Gehäuse und braucht ein Motherboard mit entsprechendem Intel Chipsatz. Statt daß man nun mit einem Chipsatz - also einem Motherboard - die nun reichhaltige Auswahl an Pentium-II-CPUs bedienen kann wird es hier für den Verbraucher zum Hazardspiel, welches Board mit welchem Chipsatz und welcher CPU soll ich denn nun nehmen? Wenn man sich überlegt, daß die anderen CPU Produzenten wie AMD und CYRIX und IBM sich weiterhin auf den CPU Sockel 7 auf den Motherboards verlassen und ihre neuen CPUs mit 300 und mehr MHz auch den Pentium-II CPUs mit 233 und 266 MHz durchaus Paroli bieten können, dann wird die Entscheidung noch schwieriger. Um Ihnen die Auswahl und Anschaffung eine Computers zu erleichtern, werde ich im nächsten CA etwas auf die nähere Zukunft der Hardware eingehen. Vielleicht sehen Sie ja dann für sich etwas klarer!

Ihr Dr. Nipple