Ausgabe 07/2000

Inhaltsverzeichnis


GAME-CORNER


Starlancer





Mit Chris Roberts sitzt ein genialer Programmierer, der schon für die Wing Comander Spiele verantwortlich war, im Team von Digital Anvil. Für alle Unwissenden, Wing Comander ist ein sehr erfolgreicher Weltraumshooter, der in mehreren Punkten Maßstäbe setzte. Entsprechend groß waren meine Erwartungen an Starlancer. Inwieweit diese erfüllt wurden, werde ich jetzt niederschreiben.

Die Story beginnt wie sie klischeehafter nicht sein kann: In einer nicht allzu fernen Zukunft hat die Menschheit bereits den Weltraum besiedelt, aber auch die Schrecken des kalten Krieges sind wieder entfacht. Die gute amerikanische Westallianz will mit der bösen russischen Ostkoalition Frieden schließen. Diese nutzen jedoch die Gunst der Stunde und benutzen eine getarnte Jägerstaffel, um die Allianzflotte, die meisten Kommandoschiffe und viele Städte der Amerikaner schrottreif zu schießen. Die paar Überlebenden, Sie als Pilot unter ihnen, wollen natürlich Rache. Da die Flotte für einen Frontalangriff zu schwach ist, bleibt Ihnen und den anderen Piloten nichts anderes übrig, als in bester Guerillamanier die Gegner zu schwächen und zu beschäftigen. Irgendwann später ist man endlich stark genug für einen Gegenschlag und der spektakuläre Endkampf entbrennt.

Bevor es jedoch soweit ist, werden sie erstmal in Ihrem Zimmer abgesetzt, um es ein wenig zu erkunden und hier war meine Enttäuschung groß. Es gibt zwar ein gutes Archiv, in dem man alles über die Mitpiloten, die eigenen und gegnerischen Schiffe und vieles mehr nachlesen kann. Auch ein Fernseher mit virtuellen Nachrichten, ein CD Player und ein für Anfänger perfekt geeigneter Simulator, der einen das Steuern, Manövrieren und Angreifen mit dem Raumschiff ausprobieren läßt, sind vorhanden. Es gibt außerdem noch einen Weg zur Missionsbesprechung, mehr nicht. Ich meine, ich bin es von Wing Commander gewohnt, mich in einem Casino oder einer Bar mit Mitpiloten zu unterhalten, die man dadurch näher kennenlernt. In Starlancer erfährt man nur wenig über sie und das auch nur über Funksprüche und trockene Texte, der Identifizierungsgrad ist dadurch fast null. Auch sonst gibt es wenig Videos, die die Story vorantreiben.

Das war der einzige, aber leider auch gravierende Nachteil von Starlancer, denn sonst ist das Spiel sehr überzeugend umgesetzt. Das fängt bei der Grafik an, die selbst mit dem Wort fotorealistisch nicht beschreibbar ist. Niemals sah das Weltall besser aus, sehr echt wirkende Planeten, Weltraumnebel in den tollsten Farben, riesige Schlachtkreuzer mit abwechslungs- und einfallsreichen Texturen und natürlich spektakuläre Explosionen und Lichteffekte, die ihresgleichen suchen. Außerdem verschwinden zerstörte Schiffe nicht einfach, sondern die Schrottteile treiben durch das All und geben vielleicht sogar Deckung für andere Gefechte. Der Sound untermalt dieses sehr passend durch effektvolle Orchestralsoundtrack, bombastische Effekte und sehr gute Stimmen, wenn es mal Gespräche statt Textboxen gibt.

Auch die Missionen sind abwechslungsreich und spannend, um genauer zu sein, das Beste, was ich in Weltraumshootern gesehen habe. Durch viele Wendungen, gelegentlich eingestreute ‚populäre gegnerische Piloten‘ und geschickt eingesetzte besondere Ziele wundert man sich immer wieder über den Einfallsreichtum und die Fantasie der Designer.

Letzten Endes fällt es mir mal wieder schwer, eine Empfehlung auszusprechen, denn auf der einen Seite vermisse ich Videos oder Gespräche mit Mitpiloten, die dem Spiel eine dichtere Atmosphäre geben, andererseits sind Grafik, Sound und Missionsdesign schlichtweg überwältigend. Ob Sie lieber eine einfallsreiche Story oder schnelle Action lieben, es liegt an Ihnen.


FSK: ab 12 Jahre


Testmuster zur Verfügung gestellt

Tester: Alexander Rosenke